Jeder fünfte Krankenhauspatient hat Diabetes

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) warnt davor, stationäre Versorgungsmöglichkeiten für Patienten mit Diabetes abzubauen. „In Krankenhäusern findet in weiten Teilen die Aus- und Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte sowie die Behandlung komplexer diabetologischer Fälle statt. Hinzu kommt, dass mittlerweile jeder fünfte Patient, der im Krankenhaus aufgenommen wird, an Diabetes leidet“, argumentiert die Fachgesellschaft.
Im Jahr 2019 kamen laut der DGG 18 Prozent der rund 19 Millionen stationär aufgenommenen Fälle mit oder wegen ihrer Diabeteserkrankung ins Krankenhaus. Auch wenn der Grund für den Krankenhausaufenthalt nicht unmittelbar die Stoffwechselerkrankung sei, müssten Ärzte und das Pflegepersonal bei Menschen mit Diabetes immer die gesamte Stoffwechselsituation beobachten und mitbehandeln.
„Krankenhäuser haben die Pflicht, die häufig multimorbiden Diabetespatienten interdisziplinär und leitlinienorientiert zu betreuen“, betonte Andreas Neu, Präsident der DDG. Die DDG kritisiert, das Vergütungssystem der Diagnosis Related Groups (DRG) benachteilige im Augenblick die diabetologischen Fachabteilungen in den Krankenhäusern.
Die Fallpauschalen für aufwendige Eingriffe seien für Kliniken deutlich attraktiver als für diabetologische Maßnahmen, die überwiegend konservativ erfolgten. „Es ist nicht länger hinnehmbar, dass das DRG-Vergütungssystem wichtige, leitlinienbasierte Versorgungsaspekte der Volkskrankheit Diabetes unzureichend abbildet und damit für Kliniken wirtschaftlich unattraktiv macht“, kritisiert der DDG-Pressesprecher Baptist Gallwitz.
Auch bei der Erstellung länderweiter Krankenhaus-Bettenpläne sei es wichtig, den Bedarf an stationärer Diabetes-Versorgung zu berücksichtigen – für Patienten mit Diabetes als Haupt-, aber auch als Nebendiagnose, forderte er.
Wird die Diabetologie weiter aus dem Krankenhausbereich verdrängt, hat das laut dem Bundesverband niedergelassener Diabetologen (BVND) auch für den ambulanten Sektor weitreichende Folgen: Es fehle dann der Nachwuchs für die Zukunft.
Während die Zahl der Patienten kontinuierlich steige, sinke schon jetzt die Zahl der Diabetologen – in der Klinik, aber auch im niedergelassenen Bereich, wo immer mehr Praxisinhaber an die Altersgrenze kämen und keine Nachfolger fänden.
„Wenn sich das nicht ändert, wird in der Folge auch die ambulante Versorgung schwer getroffen. Versorgungsdefizite sind dann unvermeidbar“, warnt Dorothea Reichert, stellvertretende Vorsitzende des BVND.
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