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Jedes zehnte Kind zum Start der Schulzeit übergewichtig

  • Mittwoch, 12. August 2026
/elenbessonova, stock.adobe.com
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Berlin – Die Sommerferien sind in vielen Bundesländern beendet, der Schulalltag geht los. Für schätzungsweise 800.000 Erstklässler beginnt in diesen Tagen der Ernst des Lebens, wie es oftmals heißt. Zuvor wurden die Fünf- bis Siebenjährigen auf ihre Schultauglichkeit untersucht.

Dabei wird geprüft, ob das Kind kognitiv und sozial für die Schule bereit ist. Daneben wird das Kind körperlich untersucht, es werden Größe und Gewicht ermittelt. Bei der Mehrheit der Kinder ist alles im grünen Bereich. Das gilt jedoch längst nicht für alle.

Mehr als vier Millionen Datensätze aus den bundesweit verbindlichen Schuleingangsuntersuchungen zu Kindern zwischen vier und sieben Jahren hat sich eine im Juli veröffentlichte Studie im Journal of Health Monitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) angesehen. „Die Zahlen sind erschreckend“, sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Ursula Felderhoff-Müser.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren war im Schnitt etwa jedes zehnte untersuchte Kind übergewichtig; rund vier Prozent waren adipös. Während beim Übergewicht Jungen und Mädchen etwa gleich stark betroffen sind, gibt es bei Adipositas eine etwas höhere Quote bei Jungen. Bei Jugendlichen steigt die Übergewichtsquote auf nahezu 20 Prozent an.

Felderhoff-Müser sieht fehlende Bewegung als größtes Problem. „Kinder bewegen sich nicht mehr, wie sie sollen.“ Erhebungen zufolge erfüllten weniger als 15 Prozent der Grundschulkinder die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Stunde Bewegung am Tag. Hier müssten und könnten Kitas und Schulen ansetzen, etwa durch eine bessere Kooperation mit Sportvereinen. Kinder bewegten sich gerne, oft fehlten ihnen die Angebote, sagte Felderhoff-Müser.

Wie Felderhoff-Müser betont auch Kinderarzt Jakob Maske, dass das Thema Übergewicht in der Pandemie an Fahrt aufgenommen hat. Kindern hätte die Bewegung in der Schule und zu Hause gefehlt, teils auch das Schulessen als einzige gesunde Mahlzeit. Stattdessen sei deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht worden. „Adipositas ist mehrschichtig“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

„Bei jeder Vorsorgeuntersuchung schauen wir uns bei den Kindern das Verhältnis von Größe zu Gewicht an“, sagte Maske. Dieser sogenannte Body-Mass-Index (BMI) steige bei übergewichtigen Kindern oft noch vor dem Schulstart sehr plötzlich deutlich an. Für Maske müssen daher schon Kitakinder über gesundes Essen und gesundes Trinken aufgeklärt werden. An Schulen sollte es seines Erachtens ein Schulfach „Gesundheitskompetenz“ geben.

„Wir müssen vor diesem Ausschlag des BMI nach oben ansetzen und ihn ganz vermeiden“, sagte Maske. Sei der BMI erst einmal zu hoch, sei es sehr schwierig, ihn wieder zu senken. „Kinder müssen in der Wachstumsphase nicht unbedingt Gewicht reduzieren, sondern vorrangig ihr Gewicht halten“, so sein Rat.

Besonders kritisch sieht Maske billige, stark gesüßte und damit hochkalorische Getränke wie Eistee oder Limonaden. Hiervon konsumierten Kinder im Zweifel schnell zu viel. Eine Zuckersteuer hält er daher für sehr wichtig. Auch mit Süßstoff gesüßte Getränke seien keine gute Alternative. „Wir dürfen die Zunge gar nicht erst an süße Sachen gewöhnen“, so Maske.

Natürlich seien Süßigkeiten nicht völlig verboten, aber in Maßen. Entscheidend sei, dass Kindern auch gesundes Essen schmecke. Großes Potenzial steckt für den Kinderarzt auch im Schulessen. „Wir müssen uns überlegen, was wir bereit sind, hier zu investieren“, sagt Maske. Frisches Obst und Gemüse habe seinen Preis.

Der Verband deutscher Schul- und Kitacaterer (VDSKC) ist sich nach eigenem Bekunden seiner Verantwortung bewusst. „Wir verstehen Schul- und Kitaverpflegung als Teil einer umfassenden Gesundheitsförderung“, sagte der erste Vorsitzende, Ralf Blauert.

Die Verbandsmitglieder orientierten sich an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Als Verband setzen wir uns dafür ein, dass diese Qualitätsstandards bundesweit verbindlich werden“, so Blauert. In vielen Bundesländern seien es bislang nur Empfehlungen.

Auch plädiert der Verband für eine beitragsfreie Verpflegung aller Kinder in Kitas und Schulen. Als Begründung verweist Blauert auf eine Studie aus Kalifornien aus dem Jahr 2024. Diese sei zu dem Schluss gekommen, dass die Neigung zu Übergewicht bei Kindern sinke, wenn Schulen eine kostenfreie Mittagsverpflegung anbieten.

Kinderarzt Maske betont, dass starkes Übergewicht auch krankhaft bedingt sein kann. Nicht immer liege es am Essen und sei darüber in den Griff zu bekommen. „Wir schauen daher bei übergewichtigen Kindern auch, ob etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Fettstoffwechselstörung vorliegt.“

kna

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