Vermischtes

Jugendsexualitätsstudie: Sex später als in früheren Jahren, Verhütung sicher

  • Donnerstag, 22. Januar 2026
Teenager Paar
/tetxu, stock.adobe.com

Köln – Jugendliche werden immer später sexuell aktiv und sie verhüten überwiegend sicher und zuverlässig. Das zeigt die aktuelle Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in Köln, die heute vorgestellt wurde.

Während junge Menschen bei der letzten Erhebung 2019 bereits mit 17 Jahren mehrheitlich sexuell aktiv waren, zeigt die aktuelle Befragung von 2025, dass die meisten mit 19 Jahren ihr erstes Mal erleben.

Zudem zeigt die Studie mit mehr als 5.800 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren: Meist haben junge Menschen ihren ersten Sex in einer festen Beziehung und verhüten sicher und zuverlässig. In knapp neun von zehn Beziehungen sprechen junge Menschen selbstverständlich über Verhütung und ein Großteil (67 Prozent) thematisiert auch den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen.

„Diese positiven Ergebnisse sind kontinuierlicher und faktenbasierter Aufklärung geschuldet: in der Schule, im Elternhaus, in Beratungsstellen, in ärztlichen Praxen und durch unsere Angebote“, sagte Mechthild Paul, Abteilungsleiterin Sexualaufklärung, Verhütung, Familienplanung und stellvertretende Leiterin des BIÖG.

Die Ergebnisse im Detail: Der erste Sex verschiebt sich der Studie zufolge weiter nach hinten: Aktuell haben 18 Prozent der 14- bis 17-Jährigen ihren ersten Sex erlebt, im Gegensatz zu 28 Prozent in 2019. Insbesondere bei Jugendlichen im Alter von 17 bis 20 ist ein deutlicher Rückgang des Anteils derjenigen zu verzeichnen, die Erfahrungen mit Sex gemacht haben. So haben 2019 61 Prozent der 17-Jährigen Sex gehabt, 2025 sind es 40 Prozent. Der erste Sex findet für die Befragten mehrheitlich „gerade zum richtigen Zeitpunkt“ statt (2025: 65 Prozent, 2019: 65 Prozent).

Unter den Jugendlichen, die noch keine sexuellen Kontakte hatten, gibt demnach die Hälfte an, dass bislang die passende Partnerin/Partner gefehlt habe (51 Prozent). 37 Prozent halten sich für „zu schüchtern“ und 41 Prozent für „zu jung“.

Die meisten verhüten der Studie sicher und zuverlässig: Aktuell geben lediglich sechs Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, beim ersten Sex nicht verhütet zu haben (vier Prozent der weiblichen Befragten, acht Prozent der männlichen Befragten). Im Jahr 1980 lag nach Angaben von BIÖG-Fachfrau Paul der Anteil der Jungen, die nicht verhütet haben, noch bei 30 Prozent. Entsprechend hoch sei der Anteil an Teenagerschwangerschaften gewesen.

Beim ersten Sex greifen Jugendliche (76 Prozent) überwiegend zum Kondom, ergab die Befragung. Die Pille wird deutlich seltener verwendet (34 Prozent). Mit zunehmender sexueller Erfahrung gewinnt aber die Pille an Bedeutung: 50 Prozent der mehrfach sexuell erfahrenen Jugendlichen und 48 Prozent der jungen Erwachsenen (2019: 59 Prozent) verwenden sie aktuell. Die Spirale nutzen aktuell sechs Prozent der Befragten.

Der Schulunterricht ist nach Angaben des BIÖG nach wie vor die wichtigste Quelle der Sexualaufklärung für Jugendliche: 78 Prozent gaben an, dort Wissen über Sexualität und Verhütung erhalten zu haben (2019: 69 Prozent).

Als Ansprechpersonen gewinnen Lehrkräfte (2025: 45 Prozent, 2019: 36 Prozent) sowie Eltern (2025: 64 Prozent, 2019: 56 Prozent) weiter an Bedeutung, anders als Gleichaltrige (2025: 54 Prozent, 2019: 65 Prozent). Ärztinnen und Ärzte spielten für Jugendliche bei der Sexualaufklärung keine große Rolle. Das ändere sich aber, sobald junge Frauen eine gynäkologische Praxis aufsuchten, berichtete Paul.

Das BIÖG führt nach eigenen Angaben regelmäßig die repräsentative Wiederholungsbefragung „Jugendsexualität“ gemäß seinem gesetzlichen Auftrag zur Prävention von Schwangerschaftskonflikten durch. Die aktuelle Studie ist die zehnte Befragungswelle und schließt methodisch an die Vorgängerstudien von 1980 bis 2019 an.

Datengrundlage sind 5.855 bundesweit geführte Interviews. Befragt wurden 3.514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und 2.341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. 5.313 Jugendliche und junge Erwachsene gaben an, (vorwiegend) heterosexuell orientiert zu sein. 418 Befragte gaben eine (vorwiegende) homosexuelle oder bisexuelle Orientierung an, während 124 eine „andere“ sexuelle Orientierung nannten.

PB

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung