KBV-Praxisbarometer: Digitale Kommunikation muss sektorenübergreifend werden

Berlin – Sowohl die Nutzung von digitalen Instrumenten in Praxen als auch die Zufriedenheit mit den im Versorgungsalltag bereits etablierten digitalen Anwendungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach wie vor Nachholbedarf gibt es aber bei der technischen Stabilität und der sektorenübergreifenden Nutzung. Das sind die zentralen Ergebnisse des heute von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vorgestellten Praxisbarometer Digitalisierung 2025.
„Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben sich in den vergangenen Jahren mit Erfolg durch viele neue Anwendungen gearbeitet“, sagte Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV. Die Praxen seien mittlerweile „Vorreiter der Digitalisierung“. Dies stelle keinen Zufall dar, sondern das Ergebnis von hohem Eigenengagement und technischen Nachbesserungen.
Wie die vom IGES-Institut im Auftrag der KBV durchgeführte Befragung zeigt, ist insbesondere die Entwicklung beim elektronischen Arztbrief (eArztbrief) sehr positiv. 87 Prozent der Praxen nutzen ihn mittlerweile regelmäßig, 2018 waren es gerade einmal 13 Prozent.
Auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) sowie das elektronische Rezept (eRezept) sind inzwischen fest im Praxisalltag verankert und werden zunehmend positiv bewertet. So äußerten sich 78 Prozent der Praxen, die die eAU im Versorgungsalltag nutzen, zufrieden mit deren Umsetzung (2024: 69 Prozent) – mit 77 Prozent erzielte das eRezept ähnlich hohe Zustimmungswerte (2024: 63 Prozent). „Wenn digitale Anwendungen zuverlässig laufen, steigt auch ihre Akzeptanz spürbar“, so Steiner.
Bei der Stabilität der Telematikinfrastruktur (TI) gibt es allerdings noch Optimierungsbedarf. Wie Martin Albrecht vom IGES-Institut erläuterte, gab es im Vergleich zum Vorjahr kaum weitere Rückgänge der Störungshäufigkeit der TI. Mehr als die Hälfte der Praxen berichtete von täglichen oder wöchentlichen Störungen. „Die TI muss stabil laufen. Ärztinnen und Ärzte brauchen verlässliche Strukturen mit klaren Verantwortlichkeiten“, betonte Steiner.
Zudem gab es in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte bei der digitalen Kommunikation im ambulanten Bereich, die digitale Kommunikation mit den Krankenhäusern bleibt aber weiterhin hinter den Erwartungen zurück. Besonders eklatant ist die Lücke bei Entlassbriefen – 85 Prozent der Praxen sehen darin einen hohen Nutzen, tatsächlich erhalten aber nur 15 Prozent der Praxen diese digital. Ähnlich sieht es laut der Befragung bei (Labor-)Befunde und OP-Berichten aus.
Aus den Kliniken komme digital wenig zurück, kritisierte Steiner. So blieben die weitgehend digitalisierten Praxen eine „Insel“ in einer analogen Umgebung. „Für die Niedergelassenen bedeutet das: Sie arbeiten einerseits in digitalen Praxen und brauchen andererseits immer noch das Faxgerät, um die Kommunikation mit den Krankenhäusern und den anderen Akteuren des Gesundheitswesens aufrecht zu erhalten.“ Hier müssten Krankenhäuser oder auch Pflegeheime nachziehen.
Hinzu komme, dass die Zufriedenheit der Praxen auch stark vom genutzten Praxisverwaltungssystem (PVS) abhängt, so Steiner. Ein Wechsel stelle jedoch meist schwierig dar: Der zeitliche und finanzielle Aufwand sei groß – zudem gebe es Bedenken mit Blick auf drohende Datenverluste. Hier bräuchten die Praxen mehr Transparenz, eine durch kostenfreie Interoperabilität verbesserte Datenportabilität sowie finanzielle Unterstützung.
Das Praxisbarometer zeigt zudem erste Erfahrungen der Niedergelassenen mit der elektronischen Patientenakte (ePA) auf. Die positiven Erwartungen der Nichtnutzer entsprächen nur teilweise den bislang gesammelten Erfahrungen der Nutzer, so Albrecht. So erhofften sich beispielsweise 51 Prozent der Nichtnutzer ein schnelleres vorliegen notwendiger Dokumente, von den ePA-Nutzenden gaben aber nur 34 Prozent an, dies auch im Versorgungsalltag zu erfahren.
Zugleich spiegelten sich aber negative Erwartungen der Nichtnutzer seltener in den gemachten Erfahrungen der Nutzer wider. Unter anderem befürchteten 85 Prozent der Nicht-Nutzer einen hohen Aufwand für die Befüllung. Von den die ePA nutzenden Praxen gaben 69 Prozent an, einen hohen Aufwand im Alltag zu verzeichnen. Diese Grundtendenz gab es auch beim Zeitaufwand für die Patientenaufklärung und dem Aufwand für Installation und Aktivierung.
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