Ärzteschaft

Kinder- und Jugendärzte warnen vor Kapazitätsengpässen

  • Donnerstag, 18. Juni 2020
/Microgen, stockadobecom
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Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor nicht gelösten Prob­­lemfeldern bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen gewarnt.

Demnach ist die Zahl der unter 18-Jährigen, bei denen Kinder- und Jugendärzte eine psy­chosoziale Auffälligkeit diagnostiziert haben, zwischen 2010 und 2017 deutlich angestie­gen: Entwicklungsstörungen nahmen um 37 Prozent, Störungen des Sozial­verhaltens um 22 Prozent und Anpassungsstörungen gar um 39 Prozent zu.

Die Daten basieren auf dem gerade vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versor­gung (Zi) und dem BVKJ veröffentlichten „Versorgungsmonitor Ambulante Kinder- und Jugendmedizin“. Der Anstieg sei aber auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurückzuführen, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.

„Diese sind erfreulicherweise kein Tabu mehr. Kinder und Jugendliche sowie Eltern reden heute offen beim Arztbesuch über psychische Probleme. Auch weil sie wissen, dass wir ihnen hier weiterhelfen können.“

Jedoch sei die Betreuung von Kindern mit psychischen Störungen „weitaus aufwändiger als etwa die Behandlung eines einfachen Magen-Darm-Infekts“, so Fischbach. Dies habe zur Folge, dass die vorhandenen Kapazitäten in der ambulanten Kinder- und Jugend­me­dizin kaum mehr ausreichten, alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich medizinisch zu versorgen. Die Zeit, die den Pädiatern pro Kind zur Verfügung stehe, nehme seit Jahren kontinuierlich ab.

Laut Fischbach tragen dazu viele Ursachen bei, insbesondere mehr Teilzeitarbeit, mehr angestellte Kinder- und Jugendärzte, zunehmende Verwaltungsaufgaben sowie die soge­nannten neuen Morbiditäten, zu denen neben den ADHS-Fällen auch die gestiegene Zahl diagnostizierter psychosozialer oder psychischer Auffälligkeiten gehören.

Doch auch andere von der Politik bislang weit unterschätzte Einflussfaktoren haben laut BVKJ in diesem Jahr zu einer erheblichen Ausweitung der Tätigkeitsfelder der ambulan­ten Pädiater geführt. So würden Kinder- und Jugendärzte künftig voraussichtlich auch bei asymptomatischen Patienten immer mehr SARS-CoV-2-Abstriche vornehmen müssen.

Dieser Patientenansturm werde auf Dauer von den Praxen auch wegen fehlender Räume und nicht ausreichender Schutzkleidung kaum mehr zu bewältigen sein. Dafür gebe es bislang keine angemessene Aufwandsvergütung.

Als Lösung schlägt der BVKJ vor, dass die Bundesländer die Studienplatzkapazitäten im Fach Humanmedizin spürbar aufstocken und die Weiterbildungsmöglichkeiten im Fach Pädiatrie personell und finanziell deutlich verbessern.

Zudem müssten Teilzeitstellen und zeitlich flexible Arbeitsangebote rasch implementiert und mit finanziellen Anreizen versehen werden, um dem Wunsch nach geringeren Wo­chen- und Lebensarbeitszeiten von Kinder- und Jugendärzten in der Praxis besser gerecht werden zu können.

hil/sb

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