Ärzteschaft

Kinderärzte drängen auf politische Weichenstellungen für Herbst und Winter

  • Dienstag, 12. September 2023
/Seventyfour, stock.adobe.com
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat rasche Maßnahmen angemahnt, um die Kinder- und Jugendmedizin für die anstehende Infektsaison im Herbst und Winter zu stärken.

„Infektwellen sind für die Kinder- und Jugendmedizin keine Stresstests“, sagte die DGKJ-Vizepräsidentin Ursu­la Felderhoff-Müser. Sie seien die Wiederkehr von Überlastung, Notlösungen und brisanten Situationen in einem bereits fragilen Versorgungssystem.

Die Fachgesellschaft zeigte sich besorgt, dass sich der Arzneimittelengpass aus dem vergangenen Jahr in der bevorstehenden Infektsaison wiederholen könnte. „Der produktions- und liefertechnisch bedingte Mangel an kindgerechten Antibiotika, Fiebersäften und anderen Medikamenten stellt eine erhebliche Belastung für Eltern, Praxen, Apotheken und Kliniken dar“, warnt die DGKJ.

Ein weiteres Problem sei der Fachkräftemangel in der spezialisierten Kinderkrankenpflege. „Dieses Problem wird sowohl durch den allgemeinen Personalmangel als auch durch das Fehlen von Ausbildungsmöglichkei­ten für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege verschärft“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Auch bei der Ausbildung sieht die DGKJ Probleme, weil die kommende Neuregelung der Ärztlichen Approba­tionsordnung kein Pflichtblockpraktikum in der Kinder- und Jugendmedizin vorsehe. „Dies wird sich negativ auf die Qualität der Ausbildung und die spätere medizinische Versorgung von Kindern auswirken. Hier ist eine Nachbesserung unverzichtbar“, betonte die DGKJ.

Die geplante Krankenhausreform sei ebenfalls noch nicht ausreichend auf den Bedarf der Kinder- und Ju­gend­medizin zugeschnitten. Die DGKH kritisiert, dass die Leistungsgruppe „spezielle Kinder- und Jugendme­dizin“ noch zu stark pauschalisiert sei.

„Eine genauere Differenzierung wie in der Erwachsenenmedizin ist dringend notwendig, um die spezifischen Bedürfnisse kranker Kinder und Jugendlicher verlässlich versorgen zu können“, hieß es aus der Fachgesell­schaft.

„Wir sehen in vielen Bereichen der Versorgung, dass sich politisch oder ökonomisch motivierte Entscheidun­gen oft negativ auf die Versorgung von Kindern und damit ihre Gesundheit auswirken – und müssen im In­teresse der Kinder viel kritischer die Auswirkungen bedenken“, betonte Gesine Hansen, Kongresspräsidentin des Jahrestreffens für Kinder- und Jugendmedizin der DGKJ, das am 21. September in Hamburg beginnt.

hil

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