Ärzteschaft

Kombination von Delegation mit KI-Ersteinschätzungsverfahren soll Hausarztpraxen entlasten

  • Mittwoch, 1. Juli 2026
/Marco2811, stock.adobe.com
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Berlin/Hamburg – Ein Mix aus Digitalisierung, Telemedizin und Delegation soll dabei helfen, die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen sicherzustellen.

Das um sogenannte „Digitale hausärztliche Versorgungsassistenzen“ (DIHVA) konzipierte Modell will die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit der Digitalen Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG) weiter ausrollen.

Zwar laufe aktuell die Diskussion um das Sparpaket in der gesetzlichen Krankenversicherung, das DIHVA-Konzept stelle aber ausdrücklich kein Sparprojekt dar, betonte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, heute in Berlin.

Vielmehr gehe man damit versorgungssichernd die Strukturen an. Grundsätzlich wolle man das Modell auf weitere Bundesländer ausdehnen und ein kassenübergreifendes Angebot schaffen – derzeit greift eine selektivvertragliche Regelung.

Im Rahmen des DIHVA-Modells werden geschulte Assistenzen von einer KI-gestützten Software durch die strukturierte Anamnese vor Ort geleitet.

So ermitteln die DIHVA Krankheitssymptome und erhalten eine leitlinienorientierte Empfehlung, welche körperlichen Untersuchungen für die abschließende Diagnose durch die Hausärztin beziehungsweise den Hausarzt notwendig sind. Die Ergebnisse der Untersuchung – bis zu 50 medizinische Werte können erhoben werden – werden dann an den Arzt geschickt.

„Wir müssen im Gesundheitssystem mehr auf Delegation setzen, also dass bestimmte Versorgungsaufgaben von qualifiziertem Personal übernommen werden", so Baas. Diagnose und Therapieentscheidung verblieben aber auch in diesem Fall beim Arzt oder der Ärztin.

Wie Alexander Baasner von der DFGVG erläuterte, haben im Herbst 2025 die ersten fünf ausgebildeten Versorgungsassistenzen in zwei Hausarztpraxen in Etteln und Olpe in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit aufgenommen.

Nach dem erfolgreichen Start der beiden Pilotstandorte sind seit Juni diesen Jahres zwei weitere DIHVA in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Dort ist das Ärztenetz Haffnet mit vier Arztpraxen dem Projekt beigetreten.

Für die Patienten sei der große Vorteil, dass sie einen DIHVA-Termin schneller erhielten und sich den Weg in die Hausarztpraxis sparten, betonte Baasner.

„In unserer Evaluation des DIHVA-Projekts gaben Patientinnen und Patienten an, dass sie durch DIHVA im Durchschnitt eine Stunde und 20 Minuten Fahrtzeit sparen.“ Etwa 60 Prozent der DIHVA-Behandlungsfälle erfolgten bislang fallabschließend ohne späteren Praxisbesuch.

Christian Hönnscheidt, Hausarzt am DIHVA-Standort Ueckermünde, verwies auf einen weiteren Nutzen. „Der Vorteil des Konzepts ist für mich, dass wir das Patientenaufkommen entzerren können, weil ich zeitversetzt zu meiner Assistenz arbeiten kann“, sagte er. Abgesehen von dringenden Fällen könne er zeitlich flexibel einteilen, wann er die Untersuchungsergebnisse der DIHVA bewerte und dann Rücksprache mit den Patienten halte.

aha

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