Krankenhausbehandlungen wegen Endometriose stark gestiegen

Berlin – Die Anzahl stationärer Behandlungen aufgrund von Endometriose ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre stark gestiegen. Dies zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Krankenkasse Barmer, die heute veröffentlicht wurden.
Für die vergangenen zehn Jahre teilte das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Krankenhausbehandlungen wegen Endometriose um rund 50 Prozent mit. Lag die Zahl der Behandlungen im Jahr 2014 noch bei rund 25.100, betrug sie 2024 rund 37.700. Zwischen 2005 und 2014 war sie hingegen nur um rund 20 Prozent gestiegen.
Im Barmer-Arztreport wurde ein Zeitraum von zwanzig Jahren beobachtet: Zwischen 2005 und 2024 stieg die Zahl der Behandlungsfälle in Krankenhäusern demnach von rund 21.100 auf 38.200 Fälle um 82 Prozent. Besonders stark war der Anstieg auch hier in den vergangenen zehn Jahren.
Auch die Anzahl der Endometriose-Betroffenen wuchs an. Der Barmer zufolge hat sich die Zahl der Diagnosen in den vergangenen zwanzig Jahren von rund 230.000 auf rund 510.000 mehr als verdoppelt – es handelt sich um einen Anstieg um 120 Prozent.
Als Grund für den hohen Anstieg vermuten Experten unter anderem eine gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema. „Noch vor wenigen Jahrzehnten ist Endometriose häufig unerkannt geblieben“, sagte Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. „Endometriose ist viel stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen. Somit wird die Diagnose früher gestellt und für die Frauen entfallen Jahre der Ungewissheit.“
Dies zeigen auch die Zahlen: Dem Barmer-Arztreport zufolge ist das Durchschnittsalter der erstmals von einer Diagnose betroffenen Frauen innerhalb von zehn Jahren um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre gesunken.
Es handele sich um eine deutliche Vorverlagerung des Erstdiagnosezeitpunkts, sagte dazu Joachim Szecsenyi, Autor des Arztreports und Geschäftsführer des Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua). Jüngere würden die Diagnose immer früher erhalten.
Die Experten erklären sich den hohen Anstieg der Diagnosen auch mit den Fortschritten in der Diagnostik. Durch die aktualisierte Endometriose-Leitlinie, die 2025 erschienen sei und nun einen Schwerpunkt auf bildgebende Verfahren lege, werde in Zukunft nur noch selten eine Laparoskopie gebraucht, so Szecsenyi. Sonografie und MRT würden in den meisten Fällen zur Diagnostik ausreichen.
Mit den zunehmend wegfallenden Bauchspiegelungen könnte sich in den kommenden Jahren auch die Anzahl der Krankenhausbehandlungen verringern, vermutete Straub.
Frauen würden vor allem auch dann vom Fortschritt der früher gestellten Diagnosen profitieren, wenn ihnen zeitgleich wirksame und passgenaue Therapien angeboten werden könnten, betonte der Vorstandsvorsitzende. Die Therapie müsse dabei nicht nur die Symptome im Blick behalten, sondern auch mögliche Organschäden, beispielsweise am Darm oder den Kinderwunsch betroffener Frauen berücksichtigen. Dies sehe auch die aktualisierte Leitlinie so vor.
Dem Arztreport zufolge haben Frauen mit Endometriose auch deutlich häufiger Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten wäre. Doppelt so oft sind demnach beispielsweise Bauch- und Beckenschmerzen dokumentiert. Auch Migräne und Muskel-Skelett-Erkrankungen kommen häufig vor. Begleitet werden kann Endometriose zudem von depressiven Episoden und Angststörungen.
„Zwar haben die Analysen des Arztreports ergeben, dass Endometriose zu keiner erhöhten Sterblichkeit führt. Allerdings belegen die Daten eine sehr hohe Krankheitslast, weshalb eine frühe Diagnose und individuell angepasste Therapien besonders wichtig sind“, hob Straub hervor. Zu den Behandlungsoptionen zählten auch multimodale Schmerztherapien, die mit einer engeren Kooperation zwischen Endometriose- und Schmerzzentren in Kliniken einhergingen.
Der Arztreport deckt daneben auch regionale Unterschiede in der Diagnostik und Behandlung von Endometriose auf. Demnach liegt die Erstdiagnoserate in Thüringen mit rund 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, am höchsten ist sie im Saarland mit rund 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Endometriose wird dem Bericht zufolge verstärkt in dicht besiedelten Regionen diagnostiziert.
Für den Arztreport der Barmer wurden die Daten von jeweils rund acht Millionen Versicherten aus den Jahren 2005 bis 2024 ausgewertet.
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