Politik

Krankenhausreform: „Gemeinsamer digitaler Raum“ im Norden

  • Mittwoch, 16. September 2026
/greenbutterfly, stock.adobe.com
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Berlin/Kiel/Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen ein gemeinsames länderübergreifendes Telemedizinnetz für die Gesundheitsversorgung aufbauen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz in Schwerin kündigten dies die Ministerinnen Stefanie Drese (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) und Kerstin von der Decken (CDU, Schleswig-Holstein) an.

Beide erklärten, dass die Krankenhausgesellschaften der Länder sowie die Universitätsmedizin Rostock und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) eine entsprechende Absichtserklärung der Zusammenarbeit (Letter of intent) unterzeichnet haben. Für Mecklenburg-Vorpommern hat die Uniklinik Rostock die Koordinierungsrolle, für Schleswig-Holstein das UKSH. Die Unimedizin Greifswald ist ebenso mit dabei, allerdings nicht in der Koordination und Steuerung der Zusammenarbeit.

Das geplante „Telemedizin-Netz Nord-Ost“ (Tenno) solle zunächst die Krankenhäuser beider Länder digital miteinander verbinden und später auch ambulante Versorgung, Rettungsdienst und weitere Gesundheitsbereiche einbeziehen, betonten die Ministerinnen. Damit schaffe man die digitale Infrastruktur dafür, dass medizinische Kompetenz nicht an Landesgrenzen oder am Standort eines Krankenhauses endet. „Wir wollen nicht zwei parallele Netzwerke aufbauen“, so von der Decken.

Finanziert werden soll der Aufbau vor allem durch den Transformationsfonds. In den Förderrichtlinien sind auch länderübergreifende Projekte vorgesehen – allerdings fehlt die entsprechende Formulierung für Telemedizinische Projekte seitens der Bundesregierung noch. Diese soll Ende September vorliegen – danach wollen beide Länder die Anträge beim Bundesamt für Soziale Sicherung stellen, betonten die Drese und von der Decken. Ab Anfang 2027 soll dann der Aufbau beginnen.

In der Debatte der vergangenen Jahre um die beiden Krankenhausgesetze, Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und das Krankenhausanpassungsgesetz (KHAG), standen beide Ministerinnen sich in der politischen Auseinandersetzung inhaltlich in ihrer Kritik an der Ausgestaltung oft nahe. Bei den jeweiligen Schlussabstimmungen im Bundesrat spielte dann eher die Parteifarbe eines CDU- sowie SPD-geführten Ministeriums eine Rolle.

Verbindliche Teilnahme der Krankenhäuser

Sobald das Netzwerk aufgebaut ist, sollen zunächst die Kliniken miteinander vernetzt werden. Die Teilnahme der Häuser soll verbindlich sein, hieß es aus beiden Ministerien. Bisherige telemedizinische Angebote „sollen gebündelt und weiterentwickelt, neue Insellösungen und parallele Einzelsysteme vermieden werden“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Begonnen werden soll mit den pädiatrischen Abteilungen, hier soll es künftig gemeinsame Telekonsile und Televisiten geben. Auch in der Not- und Unfallversorgung soll es zügig eine Zusammenarbeit geben.

„Gerade für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit ihren ländlichen Räumen ist das ein wichtiger Schritt für eine leistungsfähige und zukunftsfeste Gesundheitsversorgung“, sagte Drese. „Wir wollen einen gemeinsamen digitalen Versorgungsraum im Norden schaffen“, erklärte von der Decken.

„Wenn medizinische Expertise nicht überall unmittelbar vor Ort verfügbar sein kann, müssen wir sie digital dorthin bringen, wo sie gebraucht wird“, betonte die Ministerin aus Kiel. Davon profitierten Patientinnen und Patienten ebenso wie die Beschäftigten in den Krankenhäusern. Das Netzwerk solle zudem dazu beitragen, die Zusammenarbeit der Kliniken zu stärken.

Das gemeinsame Netz soll allen Krankenhäusern beider Länder offenstehen – unabhängig von Trägerschaft, Versorgungsstufe oder Standort. Sie sollen verbindlich in das Netzwerk einbezogen werden. „Tenno ist kein Netz einzelner Universitätskliniken, sondern ein Netz für die gesamte Krankenhauslandschaft in beiden Ländern“, sagte Drese.

Eng beteiligt wurden in der Vorbereitung die Krankenhausgesellschaften: „Die geplante telemedizinische Verbindung zwischen den Krankenhäusern kann ein Gamechanger für die stationäre Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern werden“, sagte Uwe Borchmann, Geschäftsführer der dortigen Krankenhausgesellschaft. „Der Meinungsaustausch zwischen den Spezialisten kann schneller und sogar Live unter Beteiligung des Patienten erfolgen, auch wenn dieser weit entfernt ist“, erklärte er weiter. Daher müsse das Netzwerk „schnellstmöglich an den Start.“

Auch für Schleswig-Holstein sei das Netzwerk ein Gewinn: „Der Ansatz, das gemeinsame Telemedizinnetz nicht als Einbahnstraße zu verstehen, ist richtig und wichtig. Um in unseren Flächenländern medizinische Kompetenz möglichst überall und jederzeit verfügbar zu machen, muss neben der Expertise in der Universitätsmedizin auch auf Kompetenzen in Krankenhäusern anderer Versorgungsstufen zurückgegriffen werden können“, so Patrick Reimund, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft in Schleswig-Holstein.

Auch für die beiden federführenden Universitätskliniken ist das Projekt ein Meilenstein in der Zusammenarbeit. „Es ist entscheidend, dass ein leistungsfähiges länderübergreifendes Telemedizinnetz mit den Partnern vor Ort aufgebaut und betrieben wird. In Mecklenburg-Vorpommern werden wir deshalb besonders mit unseren Partnern der Universitätsmedizin Greifswald sowie den Maximalversorgern in Neubrandenburg und Schwerin eng zusammenarbeiten“, wird Christiane Stehle, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorständin der Universitätsmedizin Rostock in der Mitteilung zitiert.

„Am UKSH ist Telemedizin im Rahmen unserer Strategie als digitaler Vorreiter bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil im Klinikalltag“, so Jens Scholz, Vorstandsvorsitzer des UKSH. „Gemeinsame Standards können insbesondere im ländlichen Raum den Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung verbessern und den professionellen Austausch zwischen Ärztinnen und Ärzten stärken. Wir freuen uns daher, bei diesem Projekt eine aktive Rolle einzunehmen.“

bee/dpa

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