Krankenkassen: Trotz Minus noch Reserven von 28 Milliarden Euro

Berlin – Im vergangenen Jahr haben die Krankenkassen erstmals seit Jahren mehr Geld ausgegeben als sie eingenommen haben. Ihre Reserven liegen aber immer noch bei rund 28 Milliarden Euro. Hinzu kommt eine Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds in Höhe von 12,5 Milliarden Euro. Diese Zahlen hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) heute veröffentlicht. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach von einer „soliden Grundlage“.
Nach den vorläufigen Finanzergebnissen des Jahres 2014 standen bei den Krankenkassen Einnahmen von rund 204,1 Milliarden Euro Ausgaben von rund 205,3 Milliarden Euro gegenüber. Die Differenz von knapp 1,2 Milliarden Euro geht laut dem BMG zu einem Großteil darauf zurück, dass die Krankenkassen ihre Versicherten über Prämien und freiwillige Satzungsleistungen an ihren hohen Finanz-Reserven beteiligt haben. So wurden im Jahr 2014 Ausgaben für Prämienzahlungen an Krankenkassenmitglieder in Höhe von rund 711 Millionen Euro sowie freiwillige Satzungsleistungen für rund 313 Millionen Euro geleistet. „Ohne diese Sonderfaktoren ergibt sich für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2014 ein weitgehend ausgeglichenes Finanzergebnis“, so das Fazit des Ministeriums.
Die Ausgaben je Versicherten sind 2014 um 4,9 Prozent gestiegen. Zu den Ausgabenzuwächsen haben laut dem BMG vor allem stark steigende Arzneimittelausgaben beigetragen. Diese sind im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen, das entspricht 2,9 Milliarden Euro. Dieser Ausgabenzuwachs ist zu rund drei Prozentpunkten auf das Auslaufen des erhöhten Herstellerrabatts für patentgeschützte Arzneimittel von 16 Prozent Ende 2013 zurückzuführen. „Auffällig sind die hohen Ausgaben für neu zugelassene Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C, die 2014 in der GKV zu Mehrausgaben in einer Größenordnung von rund 600 Millionen Euro geführt haben“, berichtet das BMG.
Im Bereich der ambulanten ärztlichen Behandlung sind die Ausgaben je Versicherten um rund 3,9 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen laut dem Ministerium je Versicherten ebenfalls um 3,9 Prozent.
Für das Krankengeld mussten die Kassen 2014 10,6 Milliarden Euro aufwenden. Es ist gegenüber 2013 um 8,2 Prozent gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Krankengeldausgaben der GKV damit fast verdoppelt. Eine Ursache für diesen Anstieg beim Krankengeld sieht das Ministerium im Anstieg von lang andauernden psychischen Erkrankungen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen mit der Erstellung eines Sondergutachten zum Krankengeld beauftragt, das in diesem Sommer vorliegen soll.
Positiv bewertet das BMG, dass die Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung um rund 35 Prozent und für ambulante und stationäre Hospize um etwa neun Prozent gestiegen sind. „Dies zeigt, dass sich die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland stetig verbessert“, hieß es aus dem BMG.
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