Politik

Krankenkassen verbuchen 6,2 Milliarden Euro Defizit

  • Freitag, 7. März 2025
/picture alliance, Bildagentur-online, Ohde
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Berlin – Die Krankenkassen mussten im Jahr 2024 ein Defizit von rund 6,23 Milliarden Euro verzeichnen. Dies geht aus heute vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgelegten Zahlen zu den vorläufigen GKV-Finanzergebnissen hervor.

Das Defizit ist somit gegenüber dem 1. bis 3. Quartal 2024 nochmal deutlich gewachsen. Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen zum Jahresende nur noch 2,1 Milliarden Euro – das sind rund 0,08 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgesehen ist eine Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. Der Gesundheitsfonds verzeichnete laut den Zahlen des BMG im Jahr 2024 ein Defizit in Höhe von 3,7 Milliarden Euro. Die Liquiditätsreserve betrug zum 15. Januar 2025 rund 5,7 Milliarden Euro.

„Das hohe Defizit der Krankenkassen in 2024 und der starke Anstieg der Zusatzbeiträge zu Jahresbeginn sind nicht nur Ergebnis eines inflationsbedingt hohen Anstiegs der Ausgaben für Personal und medizinische Leistungen“, erläuterte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Die Entwicklung sei auch darauf zurückzuführen, dass „in den vergangenen Legislaturperioden versäumt wurde, das Gesundheitssystem zu modernisieren und die Strukturen für die Zukunft fit zu machen“.

Der Schlüssel zu stabilen GKV-Finanzen seien „tiefgreifende Strukturreformen“ im Gesundheitswesen. Mit dem Digitalgesetz und der Krankenhausreform habe man „fundamentale Veränderungen angestoßen und wichtige Modernisierungsimpulse gesetzt“, so Lauterbach.

Ergänzend dazu müssten gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie etwa die medizinische Versorgung von Bürgergeldbeziehenden kostendeckend aus Steuer- und nicht aus Beitragsmitteln finanziert sowie der Bundeszuschuss dynamisiert werden – Vorhaben, die sich die Ampelkoalition zwar vorgenommen, aber nicht umgesetzt hatte.

Den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 320,62 Milliarden Euro standen laut BMG-Daten Ausgaben in Höhe von 326,85 Milliarden Euro gegenüber. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von 0,3 Prozent einen Zuwachs von 7,7 Prozent.

Der durchschnittlich von den Kassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag nach mehreren unterjährigen Anhebungen der Zusatzbeitragssätze zum Jahresende 2024 mit 1,82 Prozent oberhalb des Ende Oktober 2023 für das Jahr 2024 bekannt gegebenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 1,7 Prozent.

Das Defizit betrug bei den Ersatzkassen 2,5 Milliarden Euro, bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen 1,6 Milliarden Euro, bei den Betriebskrankenkassen 1,4 Milliarden Euro, bei den Innungskrankenkassen 662 Millionen Euro, bei der Knappschaft 99 Millionen Euro und bei der Landwirtschaftlichen Krankenkasse 22 Millionen Euro.

Zwar stiegen die GKV-Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) im Jahr 2024 im Vergleich zum Jahr 2023 um 5,6 Prozent, zugleich legten allerdings die Leistungsausgaben um 8,1 Prozent zu (plus 23,4 Milliarden Euro auf rund 311,7 Milliarden Euro). Die Verwaltungskosten der Kassen reduzierten sich um 0,6 Prozent (minus 74 Millionen Euro).

„Maßgeblich beeinflusst“, so das BMG, wurde diese dynamische Entwicklung durch die Aufwendungen für Krankenhausbehandlungen, die um rund 8,1 Milliarden Euro (plus 8,7 Prozent auf 101,7 Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahr wuchsen.

Auch der Ausgabenanstieg im Arzneimittelbereich fiel mit rund 4,9 Milliarden (plus 9,9 Prozent auf 55,25 Milliarden Euro) deutlich aus.

Die Aufwendungen für ambulant ärztliche Behandlungen verzeichneten einen Anstieg von 6,3 Prozent (plus 2,97 Milliarden auf 50,1 Milliarden Euro).

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