Krankenkassen wollen Honorare für Psychotherapeuten absenken

Berlin – Die Krankenkassen wollen die Honorare für alle psychotherapeutischen Leistungen pauschal um zehn Prozent abwerten. Nach Vorstellung des GKV-Spitzenverbands soll der Bewertungsausschuss (BA) das Vorhaben in seiner Sitzung im März beschließen. Es soll noch für das laufende Jahr greifen.
Im offiziellen Beschluss des Bewertungsausschusses aus der Sitzung am 21. Januar wird von einer „Überprüfung“ der Bewertungen gesprochen. Informationen des Deutschen Ärzteblattes zufolge drängt der GKV-Spitzenverband aber auf die Abwertung der Honorare um zehn Prozent.
Der GKV-Spitzenverband wollte das auf Anfrage weder bestätigen, noch dementieren. Man strebe „stets die Erarbeitung gemeinsamer Lösungen in der Selbstverwaltung an“, hieß es vom GKV-Spitzenverband. Eine vertraulich geführte Verhandlung sei dafür Voraussetzung. „In diesem Sinne äußern wir uns nicht zu laufenden Verhandlungen vor einem gemeinsamen Abschluss im BA“, so die Kassenseite.
Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, betonte, er lehne die „Rasenmähermethode des GKV-Spitzenverbands“ ganz klar ab. „Diese Unart ist leider seitens des GKV-Spitzenverbands Methode geworden, einfach pauschal Kürzungen vornehmen zu wollen, bei Haus- und Fachärzten genau wie nun auch bei den Psychotherapeuten“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt.
Gassen betonte, es sei wieder einmal so, dass sich die Kassenfunktionäre nicht für die Belange ihrer Versicherten interessierten, denn die Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen habe stark zugenommen. „Wenn die Kassenseite solche finanziellen Einschnitte will, dann sollten sie gleich dazu mitteilen, welche Leistungen dann nicht mehr erbracht werden sollen“, sagte er.
Die Psychotherapeuten sind alarmiert über den Kassenvorstoß. „Was hier passiert, ist kein technischer Automatismus, sondern ein vorsätzlicher Sparbeschluss auf dem Rücken psychisch erkrankter Menschen“, sagte Dieter Adler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks (DPNW).
„Während der Bedarf an Psychotherapie steigt, wollen die Krankenkassen die Vergütung zusammenstreichen. Das ist unverantwortlich“, so Adler. Er sprach von einem fatalen Signal an alle Therapeuten. „Wenn zehn Prozent der Einkünfte wegfallen, werden viele Kolleginnen und Kollegen lieber Privatpatienten nehmen.“
Aus DPNW-Sicht ist der Vorstoß angesichts der Inflation der vergangenen Jahre besonders ärgerlich. Zwischen 2022 und 2024 sei die Inflation in Deutschland kumuliert um rund 16 Prozent gestiegen. Um die Kaufkraft von 2021 zu erhalten, wäre daher eine entsprechende Honoraranhebung um 16 Prozent notwendig. Stattdessen forderten die Krankenkassen eine Kürzung um zehn Prozent.
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