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Krebsvorsorge per Impfung: Aufrufe zum HPV-Schutz

  • Dienstag, 3. März 2026
/Tobias Arhelger, stock.adobe.com
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Berlin – Das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) ruft Eltern dazu auf, ihre Kinder frühzeitig gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen zu lassen und so vor bestimmten Krebsarten zu schützen. Zahlreiche Gesundheitsministerien der Länder, Frauenärzte sowie Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) stützen das Anliegen – mit konkreten Aktionen wie etwa in Brandenburg.

„Eltern möchten ihren Kindern das Beste für die Zukunft mitgeben, dazu gehört auch ein wirksamer Schutz vor vermeidbaren Krankheiten“, sagte Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des BIÖG, zum Welt-HPV-Tag am 4. März. „Wer seine Kinder zwischen neun und 14 Jahren impfen lässt, nutzt den optimalen Zeitpunkt und schafft eine wichtige Basis für deren langfristige Gesundheit.“

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen und Jungen in diesem Alter. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist der Schutz dann am höchsten, wenn die Impfung schon vor dem ersten möglichen Kontakt mit diesen Viren erfolgt. Die Erreger werden vor allem beim Sex übertragen.

Den Angaben des BIÖG zufolge stecken sich in Deutschland acht von zehn Menschen mindestens einmal in ihrem Leben mit HPV an. Je nach Virustyp – insgesamt gibt es 200 verschiedene – kann eine Infektion ohne Folgen bleiben. Doch unter Umständen kann sie Krebs auslösen. Nach RKI-Angaben erkranken in Deutschland jährlich etwa 10.000 Menschen an HPV-bedingtem Krebs.

Am bekanntesten ist Gebärmutterhalskrebs, doch das Virus betrifft auch andere Bereiche des Körpers, wie das BIÖG erklärt. „Die Viren können Tumore im Mund- und Rachenraum sowie im Analbereich oder an den Genitalien verursachen. Deshalb ist die HPV-Impfung auch für Jungen wichtig.“

Die Impfquoten in Deutschland sind allerdings niedrig: 2024 hatten nur rund die Hälfte der 15-jährigen Mädchen (55 Prozent) und etwas mehr als ein Drittel der 15-jährigen Jungen (36 Prozent) einen vollständigen Impfschutz.

Mit einem Schülerwettbewerb wollen Brandenburgs Vertragsärzte die Impfung gegen HPV voranbringen. Unter dem Motto „Die Impfchecker” sind Schüler aller Schulformen aufgerufen, sich mit der Bedeutung von Impfungen zu beschäftigen und Gleichaltrige in Podcast und Videos darüber aufzuklären.

Dazu stellen fünf Krankenkassen ein Preisgeld von 5.000 Euro zur Verfügung, das in den Klassenstufen 1 bis 6, 7 bis 10 und 11 bis 13 ausgelobt wird. Zusätzlich soll es einen mit 500 Euro dotierten Publikumspreis geben.

Bundesweit liege die Impfquote in Deutschland bei der HPV-Impfung nur bei 55 Prozent, sagte die Vorstandsvorsitzende der KV Brandenburg (KVBB), Catrin Steiniger. Das sei „viel zu wenig.” In Island würden 96 Prozent der Kinder und Jugendlichen geimpft, in Norwegen seien es 93 Prozent.

„Es ist so wichtig, Eltern und junge Menschen über das HPV-Virus zu informieren. Impfen kann Mädchen und Jungen gegen bestimmte Krebsarten schützen“, betonte die Hessische Gesundheits- und Familienministerin, Diana Stolz (CDU). „Wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber ich hoffe, es entscheiden sich mehr Menschen dafür, ihre Mädchen und Jungen impfen zu lassen, um sie vor schweren Erkrankungen durch HPV zu schützen.“

„Die HPV-Impfung kann fast vollständig vor Viren schützen, die später Krebs auslösen können – und damit Leben retten“, teilte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) mit. In Bayern gebe es jedes Jahr knapp 700 bösartige Neuerkrankungen und rund 200 Sterbefälle durch Gebärmutterhalskrebs. Viele HPV-Infektionen blieben unbemerkt. Deshalb sei es wichtig, Mädchen und Jungen rechtzeitig zu schützen.

„Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen“, sagte Berlins Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Ina Czyborra (SPD). Sie rief die Menschen dazu auf, die Möglichkeit zur Impfung zu nutzen, um Kinder bestmöglich vor HPV-bedingten Erkrankungen zu schützen.

Ruf nach politischem Fahrplan

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) drängt erneut auf einen verbindlichen politischen Fahrplan zur Eliminierung HPV-bedingter Krebsarten. „Wir reden seit Jahren über HPV. Aufklärung ist wichtig, aber ohne belastbare Strukturen erreicht sie zu wenige Menschen und insbesondere Familien“, sagte Cornelia Hösemann, 3. Vorsitzende des BVF.

Es benötige konkrete Maßnahmen, um Mädchen und Jungen etwa bereits in der Schulaufklärung zu erreichen oder in der Regelversorgung verankerte Angebote, wie etwa die M1 Mädchensprechstunde. „Es braucht klare Zuständigkeiten, messbare Ziele und eine Umsetzung, die im Alltag funktioniert“, so Hösemann.

Der BVF setzt sich für eine nationale HPV-Strategie mit verbindlichen Instrumenten ein. Dazu gehören demnach verbindliche Zielquoten und eine jährliche Berichterstattung, ein Impfregister und digitale Einladungs- und Erinnerungssysteme sowie niedrigschwellige Impfangebote.

dpa/benl/may

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