Ärzteschaft

Kritik an Krankenkassen ebbt nicht ab

  • Freitag, 28. Februar 2014

Potsdam/Münster/Wiesbaden – Die Kritik des Spitzenverbands der Krankenkassen an den Strukturen in der ambulanten Versorgung löst weiterhin heftige Reaktionen aus. „Wie weltfremd muss man sein, um solchen Unsinn zu verbreiten“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVB), Hans-Joachim Helming.

Die Kassen hatten moniert, trotz stetig steigender Haus- und Facharztzahlen sowie einem Einkommen auf Rekordniveau könnten die Versorgungsprobleme nicht gelöst werden. „Wir haben immer mehr Ärzte, die immer mehr Geld verdienen, und trotzdem gibt es für die Patienten teilweise lange Wartezeiten und in wenigen Regionen im hausärztlichen Bereich erstmals Versorgungslücken“, so Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands.

Helming entgegnete, dass in Brandenburg händeringend fachärztlicher Nachwuchs gesucht werde. „Wer angesichts dieser Situation in Brandenburg, aber auch in den anderen Bundesländern, von Überversorgung spricht, ist blind oder ideologisch verblockt“, so der KV-Chef.

In der Fläche sei ein breites Angebot fachärztlicher Grundversorgung nötig. Kritische Fragen und Stellungnahmen der Bevölkerung und kommunalen Verantwortungsträger wegen Problemen der ambulanten Versorgung richteten sich schon lange nicht mehr auf vermeintliche Defizite der hausärztlichen, sondern ausschließlich und vehement auf die fachärztliche Versorgung. „Klischees mit Phrasendreschen zu bedienen, ist eines Verantwortungsträgers in der Position eines Freiherrn von Stackelberg absolut unwürdig“, erklärte Helming.

Dem GKV-Spitzenverband seien scheinbar die berechtigten Erwartungen seiner Versichertenklientel egal, Verantwortung für Versorgung zu übernehmen. Verantwortung werde scheinbar immer mehr zu einem Fremdwort für einige Krankenkassenfunktionäre, die mit der realen Versorgung in den Ländern nichts mehr zu tun hätten. Helming: „Den GKV-Versicherten werden zwar alle ärztlichen Tätigkeiten immer wieder verbal versprochen, in Wirklichkeit jedoch immer mehr verweigert.“

Windhorst fordert mehr Medizinstudienplätze
In diesem Zusammenhang forderte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) eine Erhöhung der Medizinstudienplätze und bessere Bedingungen für den ärztlichen Nachwuchs. „Die Politik muss endlich handeln: Wir brauchen mehr Studien­plätze für Mediziner, wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, die Kassen müssen aufhören, die Ärzteschaft zu diffamieren und so ein ganzes Berufsbild schlecht zu reden“, so Theodor Windhorst.

Der ÄKWL zufolge gibt es heute weniger Medizinstudienplätze als noch Mitte der 90er Jahre. Diese künstliche Verknappung sei ein wesentlicher Grund für den Ärztemangel. Zudem sollten nach Ansicht des ÄKWL-Präsidenten neben dem Numerus Clausus auch andere Kriterien wie bereits abgeschlossene Ausbildungen in Medizinberufen und soziales Engagement viel stärker als bisher bei der Studienplatzvergabe berücksichtigt werden. Windhorst: „Die Politik scheut die Ausgaben für genügend Medizinstudienplätze, beklagt sich aber dann, dass immer weniger Haus- und Fachärzte auf dem Land tätig sind – das ist bigott.“

Seiner Meinung nach hat der Ärztemangel seinen Grund in den Kliniken. „Wenn schon in den Krankenhäusern der ärztliche Nachwuchs zu Beginn seiner Berufstätigkeit durch schlechte und belastende Bedingungen mit hoher Arbeitsverdichtung, Überstunden und großem Bürokratie- und Dokumentationsaufwand vergrault wird, kommen die jungen Ärzte später gar nicht mehr in der ambulanten oder stationären Versorgung an“, argumentierte der Kammerpräsident.

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) befürchtet tiefe Einschnitte in die ambulante fachärztliche Versorgung, sollten die Vorschläge des GKV-Spitzenverbandes umgesetzt werden. „Man glaubt, dass man durch einen Abbau der ambulant tätigen Fachärzte den Hausärztemangel in der Fläche beheben kann“, sagte BDI-Präsident Wolfang Wesiack. Für ihn steht fest: „Der GKV Spitzenverband will die ambulante Versorgung nicht verbessern, sondern in wesentlichen Teilen, nämlich bei den Fachärzten, liquidieren.“

hil

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