Künstliche Intelligenz soll Leitlinienempfehlungen übersichtlicher machen

Berlin – Ein Konsortium aus öffentlichen Institutionen und Industriepartnern will unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin digitale Assistenten entwickeln, die die Empfehlungen unterschiedlicher Leitlinien für einzelne Patientenfälle übersichtlich zusammenstellen und Empfehlungen abgeben.
Das Projekt namens „Guide-AI“ wird im Rahmen der Innovative Health Initiative der Europäischen Union für vier Jahre mit 9,5 Millionen Euro gefördert.
In dem Projekt arbeiten Forschungseinrichtungen zusammen mit kleinen und mittleren Unternehmen, Patientenvertretungen und Partnern aus der Pharmaindustrie. Sie stammen aus sieben Ländern Europas und Israel. Die Leitlinienassistenten sollen in verschiedenen europäischen Sprachen aufgesetzt werden und lokale Vorgaben berücksichtigen.
Das Guide-AI-Team will sich zunächst auf vier chronische Erkrankungen fokussieren, die besonders weit verbreitet sind und eine hohe gesundheitliche Belastung mit sich bringen: die Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF), die chronische Nierenerkrankung (CKD), die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Asthma.
Für jede der vier Krankheiten soll ein spezifischer KI-Assistent entwickelt werden. Eine Ausweitung auf weitere Erkrankungen ist vorgesehen, beispielsweise auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
Die KI-Assistenten sollen künftig in das Krankenhausinformationssystem oder die Praxissoftware integriert sein, die verordnete Therapie auf Basis der individuellen Patientendaten mit den Leitlinienempfehlungen abgleichen und bei Abweichungen Änderungen empfehlen.
„Am Ende entscheidet immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt in Anbetracht aller relevanten Informationen über die Therapie“, betonte der Projektleiter Matthias Gröschel von der Charité. Aber die digitalen Assistenten sollten auf die Möglichkeiten hinweisen, die Therapie nach Leitlinie zu optimieren.
Teil des Projekts ist außerdem eine Studie, die überprüft, ob Ärztinnen und Ärzte mit Unterstützung des Navigators tatsächlich häufiger leitliniengerechte Therapien verordnen. Außerdem soll das Programm laienverständliche Informationen zur Verfügung stellen – um nicht nur das ärztliche Personal, sondern auch die Patienten beim Umgang mit ihrer Krankheit zu unterstützen.
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