KV Nordrhein und Hausärzteverband streiten über Honorarrückforderungen von zwölf Millionen Euro
Köln – Im Streit um die Rückforderung von Honoraren in Höhe von rund zwölf Millionen Euro sieht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein wenig Spielraum, um den betroffenen Hausärzten entgegenzukommen. Das teilte ein Sprecher heute auf Anfrage mit. Die KV hatte auf Antrag mehrerer Krankenkassen die Abrechnungen von Zuschlägen für die Behandlung von schwerwiegend chronisch Erkrankten überprüft.
Dabei stellte sie nach eigenen Angaben fest, dass nicht in allen Fällen die Voraussetzung für eine Abrechnung der Chroniker-Pauschale gegeben war. Dazu hätten die Patienten in den zurückliegenden drei Quartalen ärztlich betreut werden müssen. „Aufgrund ihrer gesetzlichen Pflichten hat die KV Nordrhein die Abrechnungen nun rückwirkend berichtigen müssen“, heißt es in einem Statement.
Da es jedoch schwierig sei, im Nachhinein nachzuweisen, dass Patienten in einem der drei Vorquartale möglicherweise bei einem anderen Arzt, in einem Krankenhaus oder in einem anderen KV-Bereich behandelt wurden, habe man sich mit den Krankenkassen bereits darüber verständigt, lediglich 60 Prozent der ursprünglich ermittelten Rückforderungssumme zurückzufordern. „Das ist schon ein Kompromiss“, erklärte ein KV-Sprecher.
Nach Angaben des Hausärzteverbands Nordrhein sind von den Honorarrückforderungen fast 5.000 Hausärzte betroffen. Zwischen 2.000 und 20.000 Euro fordere die KV von einzelnen Praxen zurück. Der Hausärzteverband stelle die Rechtmäßigkeit der Rückforderungsbescheide infrage, heißt es in einem offenen Brief des Verbandes an den Vorstand der KV Nordrhein.
So seien die Rückforderungsbeträge nur geschätzt und die betroffenen Kolleginnen und Kollegen hätten keine Möglichkeit einer substanziierten Aufbereitung anhand eigener Akten. Der Hausärzteverband forderte die KV auf, die Einbehaltung der Regresse auszusetzen und mit den Kassen einen Kompromiss zu suchen. „In anderen KVen konnten so vergleichbare Regresswellen abgewendet oder zumindest deutlich schlanker gehalten werden“, schrieb der Hausärzteverband gestern an die KV. Man sei zu konstruktiven Gesprächen auch mit den Kassen bereit.
Rund 400 Ärzte haben nach Angaben der KV Nordrhein gegen die Rückforderungen bereits Beschwerde oder Widerspruch eingereicht. In welchem Zeitraum die Verfahren bearbeitet und abgeschlossen werden können, sei noch nicht absehbar, sagte ein KV-Sprecher. Mit weiteren Rückforderungen in den kommenden Jahren sei aber nicht zu rechnen. /HK
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: