Ärzteschaft

Leitlinie zu HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen aktualisiert

  • Donnerstag, 14. Mai 2026
/Ezume Images, stock.adobe.com
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat zusammen mit anderen Fachgesellschaften und Organisationen eine aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen vorgestellt.

„Der Kampf gegen HIV/Aids ist trotz Rückschlägen erfolgreich. Das zeigt sich auch an den Zielanpassungen von UNAIDS, dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen gegen HIV und Aids“, hieß es aus der Leitliniengruppe um Katrin Hahn und Matthias Maschke.

Die Arbeitsgruppe bezieht sich damit auf die 2014 von UNAIDS gestartete „90-90-90-Strategie“. Sie besagt, dass im Jahr 2030 weltweit 90 Prozent aller HIV-infizierten Menschen diagnostiziert, 90 Prozent aller HIV-infizierten Menschen eine antiretrovirale Therapie erhalten und 90 Prozent aller HIV-infizierten Menschen mit antiretroviraler Therapie virologisch supprimiert sein sollen. Die aktuelle AIDS-Strategie erweitert die Ziele auf 95-95-95. 

In der Leitlinie beleuchtet die Arbeitsgruppe die neurologischen Morbiditäten von HIV/Aids, darunter die aseptische Leptomeningitis, HIV-1-assoziierte Demenz und ihre Vorstufen, HIV-1-assoziierte Myelopathie und HIV-Myelitis sowie neuromuskuläre Komplikationen.

Außerdem geht das Leitlinienteam auf opportunistische zerebrale Erkrankungen ein, beispielsweise die progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) oder die Toxoplasma-Enzephalitis. 

Eine neurokognitive Beeinträchtigung entwickeln im Laufe der HIV-Infektion laut Leitlinie rund 30–50 Prozent aller Betroffenen – in unterschiedlicher Ausprägung und oft assoziiert zum CD4+-Nadir, der HI-Viruslast und der Dauer der Infektion. Der „Nadir“ ist der tiefste jemals bei einer Patientin oder einem Patienten gemessene Wert.

Das Vollbild, die Diagnose „HIV-assoziierte Demenz“ (HAD), ist nach Angaben der Leitlinie in der Regel nicht umkehrbar. Bei etwa jedem zehnten HAD-Betroffenen besteht auch eine Epilepsie.

„Unter antiretroviraler Therapie sind heutzutage fortgeschrittene Stadien einer HAD nur noch selten, werden aber immer wieder bei fortgeschrittener und bisher nicht diagnostizierter HIV-Infektion beobachtet“, erläutert das Leitlinienteam. i

„Aufgrund der Komplexität sollten sich Betroffene mit neurologischen Komorbiditäten von Neurologinnen und Neurologen behandeln lassen, die mit dieser Erkrankung Erfahrung haben“, betonte die Leitlinienautorin Hahn. Die Expertin verweist darauf, dass zahlreiche in der Neurologie angewendete Medikamente pharmakokinetisch mit antiretroviralen Substanzen interagieren.  

hil

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