Leitlinie zur Therapie der Akne in aktualisierter Fassung erschienen

Berlin – Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat ihre S2k-Leitlinie „Therapie der Akne“ aktualisiert. Die neue Ausgabe präzisiert die Therapieempfehlungen stärker nach Schweregrad und Erscheinungsbild. Zugleich soll die Therapie individueller werden. An der Aktualisierung haben sich neben der DDG fünf weitere Fachgesellschaften und zwei Patientenvertreterinnen beteiligt.
Acne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die typischerweise das Gesicht, aber auch den Rücken und die Brust betrifft. Klinisch werden nach den Erscheinungsformen drei Typen unterschieden: Acne comedonica umfasst klinisch nicht entzündliche Läsionen mit offenen und geschlossenen Komedonen, die Acne papulopustulosa mit entzündlichen Knötchen und Pusteln sowie die Acne conglobata. Bei der letzteren Manifestationsform der Akne können schmerzhafte Knoten, Abszesse und Zysten auftreten.
Akne ist weltweit eine der häufigsten dermatologischen Erkrankungen. Sie tritt vor allem in der Adoleszenz auf, kann aber auch bereits Kinder betreffen oder in einem späteren Alter beginnen. Die Angaben zur Häufigkeit bei Jugendlichen sind in der Literatur unterschiedlich und reichen laut der Leitlinie von 50 bis 95 Prozent.
„Akne ist aufgrund ihrer Sichtbarkeit für Erkrankte häufig sehr belastend“, erläutert Claudia Borelli, Mitglied der Leitliniengruppe und Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser sowie Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik Tübingen.
Wenn Betroffene die Akne selbst behandelten, berge das Risiken, denn Narben und postinflammatorische Hyperpigmentierungen, also eine dunkle Färbung der Haut, seien die Folgen. Es sei daher wichtig, dass Akne früh und durch Fachleute behandelt werde, so die Expertin.
Eine Neuerung in der Leitlinie ist die Aufnahme von Spironolacton als Off-Label-Therapieoption bei Patientinnen. Spironolacton blockiert die Wirkung des Hormons Aldosteron und besitzt dadurch blutdrucksenkende und harntreibende Eigenschaften.
Darüber hinaus wirkt es antiandrogen, unter anderem durch eine Blockade des Androgenrezeptors. Diese Wirkung kann laut der Leitliniengruppe insbesondere bei Frauen mit persistierender oder hormonell beeinflusster Akne therapeutisch genutzt werden.
„Das ist insbesondere für Situationen hilfreich, in denen andere systemische Optionen nicht geeignet sind oder längerfristige Strategien benötigt werden“, erläutert Alexander Nast, Koordinator der Leitlinie. Nast ist Leiter der Hochschulambulanz für Dermatologie am Klinikum Charité - Universitätsmedizin Berlin und Leiter der DGG-Kommission für Qualitätssicherung in der Dermatologie.
Bei schwerer Akne und wenn Standardbehandlungszyklen mit systemischen Antibiotika und lokaler Behandlung nicht anschlagen oder wenn eine starke Narbenbildung zu befürchten ist, sind systemische Retinoide zur oralen Anwendung weiterhin eine Behandlungsoption.
Nach den Erfahrungen der Leitliniengruppe stellt Isotretinoin eine wirksame und auch häufiger zu einer Remission führende Therapieoption dar. Wichtig ist dabei eine sichere Kontrazeption, weil Isotretinoin teratogen ist.
Die Leitliniengruppe spricht sich gegen eine topische Monotherapie mit Antibiotika und systemisch für einen rationalen Einsatz des Antibiotikums Doxycyclin bei mittelschwerer bis schwerer entzündlicher Akne aus. Eingesetzt werden Antibiotika bei Akne, um die Bakterienanzahl auf der Haut zu senken und starke Entzündungen, Pusteln sowie Rötungen zu stoppen.
Als Therapiedauer für die Antibiotikaeinnahme werden drei Monate empfohlen. „Damit leisten wir einen Beitrag, um antimikrobielle Resistenzen zu reduzieren“, erläutert Martin Schaller, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Tübingen und ebenfalls Mitglied der Leitliniengruppe.
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