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Lieferengpässe bei Arzneimitteln weiter relevantes Versorgungsproblem

  • Mittwoch, 28. Januar 2026
/picture alliance, Stefanie Oberhauser, EXPA
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Berlin – Lieferengpässe bei Arzneimitteln bleiben ein Versorgungsproblem. Das zeigt eine Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die Jahre 2024 und 2025 sowie ein Abgleich mit den Lieferengpassmeldungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) erstellt hat.

Danach gab es im vergangenen Jahr 1.514 Lieferengpassmeldungen. Stark betroffen waren Psychopharmaka. Innerhalb dieser Gruppe fielen Antipsychotika mit 173 Meldungen und einer durchschnittlichen Engpassdauer von 230 Tagen sowie Antidepressiva (130 Meldungen, 107 Tage) als besonders problematisch auf. Nach Angaben des Zi haben 2024 rund eine Million Erkrankte ein entsprechendes Psychopharmakon erhalten.

Aber auch andere versorgungsrelevante Wirkstoffe hatten empfindliche Lieferengpässe zu verzeichnen: So etwa Lipidsenker mit 89 Meldungen, einer durchschnittlichen Dauer des Engpasses von 156 Tagen und rund zwei Millionen betroffenen Patienten sowie Antibiotika mit 85 Meldungen, einer durchschnittlichen Dauer des Engpasses von 122 Tagen und 2,2 Millionen Betroffenen.

„Fehlen mehrere antibiotische Wirkstoffe oder Darreichungsformen gleichzeitig, können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr primär leitliniengerecht auswählen, sondern müssen ihre Therapie an der aktuellen Verfügbarkeit ausrichten. Das kann die Versorgungsqualität reduzieren und Resistenzen begünstigen“, warnte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

Weitere stark betroffene Arzneimittelgruppen waren der Zi-Analyse zufolge der bronchienerweiternde Wirkstoff Salbutamol und Antiepileptika. „Das ist versorgungsrelevant, weil in beiden Fällen Ausweichmöglichkeiten je nach Darreichungsform beziehungsweise Wirkstoff oft eingeschränkt sind“, so von Stillfried.

Bei Salbutamol sei der Versorgungsmangel unter anderem durch Notfallimporte abgefedert worden, zeitweise auch mit Beständen aus dem Ausland. Anderssprachige Packungsbeschriftungen könnten bei Patienten allerdings für Verunsicherung sorgen und das Vertrauen in die Arzneimittelversorgung beeinträchtigen, warnte er.

Ein zentraler Grund für immer wieder auftretende Lieferengpässe bei zum Teil versorgungssensiblen Arzneimitteln sei die starke Konzentration der Arznei- und Hilfsstoffproduktion weltweit auf einige wenige Hersteller, vorwiegend in China und Indien.

„Kommt es dort zu Produktionsproblemen, Qualitätsmängeln oder Störungen in den Lieferketten, macht sich das ganz schnell auch in Apotheken in Deutschland bemerkbar“, betonte der Zi-Vorstandsvorsitzende.

Das Zi empfiehlt ein Frühwarnsystem, damit Informationen über signifikante Produktionsausfälle in Asien direkt die Versorgungsverantwortlichen in Deutschland erreichen und zwar „nicht erst dann, wenn die Pharmaunternehmen bereits keine Arzneimittelpackungen mehr ausliefern können“, hieß es aus dem Institut.

hil

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