Logopäden-Mangel verschärft Wartezeiten für Patienten

Weimar – Wer in Deutschland eine logopädische Behandlung benötigt, muss mancherorts monatelang auf einen Therapieplatz warten oder wird von Praxen erst gar nicht aufgenommen.
Grund dafür sind fehlende Logopäden, wie die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl), Dagmar Karrasch, betonte. Um die Versorgung langfristig zu sichern, seien unter anderem politische Reformen nötig, erklärte sie.
Logopäden helfen bei Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckproblemen – sowohl bei Kindern, etwa bei Sprachentwicklungsstörungen und Stottern, als auch bei Erwachsenen, etwa bei Stimmstörungen oder neurologischen Erkrankungen.
Sie zählen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu den sogenannten Engpassberufen. Nach aktuell verfügbaren Zahlen dauerte es demnach im Jahr 2024 im Schnitt 132 Tage, bis eine offene Stelle in der Logopädie oder Sprachtherapie besetzt werden konnte.
Der Beruf leide unter vergleichsweise schlechter Bezahlung und mangelnder Anerkennung im Gesundheitssystem – bei gleichzeitig wachsender Nachfrage, sagte Karrasch. Wie viele Stellen derzeit unbesetzt sind, dazu liegen dem Verband jedoch keine fundierten Daten vor.
Dem Heilmittelbericht des GKV-Spitzenverbands zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 1,9 Millionen Verordnungen für Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapien ausgestellt. Das entspricht einem Anstieg von 3,4 Prozent im Vergleich zu 2024.
Die zum Teil sehr langen Wartezeiten für Patienten führten zu verspäteten Behandlungen und könnten die Erfolgsaussichten von Therapien verschlechtern, so die Präsidentin. Gründe für den Fachkräftemangel sehe sie neben dem demografischen Wandel auch in unzureichenden Rahmenbedingungen.
Die Vergütung sei im europäischen Vergleich niedrig, die bürokratischen Anforderungen bei Praxisgründung und Praxisbetrieb dagegen hoch. „Leider beobachten wir immer wieder, dass Therapeutinnen und Therapeuten ihren Beruf verlassen“, bedauerte Karrasch.
Notwendig ist aus ihrer Sicht unter anderem eine grundlegende Reform des Berufsgesetzes. Es sei kaum nachvollziehbar, dass immer noch auf Grundlage eines Gesetzes von 1980 ausgebildet werde, kritisierte Karrasch. Zudem plädierte sie für einen sogenannten Direktzugang, mit dem Patienten logopädische Leistungen ohne vorherige ärztliche Verordnung in Anspruch nehmen könnten.
„Der Effekt wäre unserer Einschätzung nach eine zielgerichtetere und niedrigschwelligere Versorgung und auch eine Entlastung der Ärztinnen und Ärzte.“ Damit würde auch das Berufsbild Logopädie attraktiver werden.
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