Medizin

Mammakarzinom: Partielle Radiotherapie nach brusterhaltender Operation ausreichend

  • Freitag, 4. August 2017

Cambridge - Die Bestrahlung der gesamten Brust, die beim Mammafrühkarzinom nach brusterhaltender Operation heute Standard ist, kann möglicherweise eingeschränkt werden. In einer britischen Phase 3-Studie erzielten eine verminderte Dosis und eine partielle Brustbestrahlung eine vergleichbare Tumorkontrolle, wie die abschließende Publikation im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31145-5) zeigt.

Allen Frauen mit Mammafrühkarzinom wird nach einer brusterhaltenden Operation dringend zur Brustbestrahlung geraten, da sie das Risiko von Lokalrezidiven halbiert und die Überlebenschancen verbessert. Andererseits sind die Heilungschancen beim Frühkarzinom mittlerweile so gut, dass nach Wegen gesucht wird, die Therapie für die Frauen erträglicher zu gestalten. Die IMPORT LOW-Studie hat den Therapiestandard – eine Ganzbrustbestrahlung mit 40 Gy, hier verteilt auf 15 Fraktionen – mit zwei Alternativen verglichen. Die erste Alternative war eine Reduktion der Gesamtdosis auf 36 Gy in 15 Fraktionen (bei 40 Gy in 15 Fraktionen für das „Tumorbett“). Die zweite Alternative war ein völliger Verzicht auf die Ganzbrustbestrahlung. Die Radiotherapie wurde auf den Teil der Brust beschränkt, in der der Tumor zuvor entfernt worden war. Die Dosis wurde mit 40 Gy in 15 Fraktionen beibehalten.

An der Studie nahmen von Mai 2007 bis Oktober 2010 an 30 Zentren in Großbritannien 2.018 Frauen im Alter über 50 Jahre teil, bei denen ein invasives duktales (nicht-lobuläres) Adenokarzinom von weniger als 2 cm Ausdehnung (Stadium pT1a-c) entfernt worden war mit einem negativen Tumornachweis im Randschnitt (mindestens 2 mm Distanz).

Primärer Endpunkt war das Auftreten eines lokalen Rezidivs mit der Vorgabe einer Non-Inferioritätsmarge von 2,5 Prozentpunkten. Inzwischen sind im Mittel 72,2 Monate seit der Behandlung vergangen und die von Charlotte Coles, Universität Cambridge, und Mitarbeitern vorgestellten Daten zeigen, dass das Ziel der Nicht-Unterlegenheit erreicht wurde. Die Rate von Lokalrezidiven war sowohl in der Gruppe mit reduzierter Gesamtdosis mit 0,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,02 bis 1,2) als auch in der Gruppe mit Teilbrustbestrahlung mit 0,5 Prozent (0,2-1,4) niedriger als in der Gruppe, die eine Standardbestrahlung erhalten hatte. Dort war es bei 1,1 Prozent (0,5-2,3) zu einem Lokalrezidiv gekommen. 

Die engen 95-Prozent-Konfidenzintervalle zeigen an, dass die Ergebnisse relativ zuverlässig sind. Auch die Gesamtsterblichkeit war gering. Insgesamt starben 116 Patientinnen, davon aber nur 26 an den Folgen des Mammakarzinoms. 

Die günstigen Ergebnisse zeigen nach Ansicht des Editorialisten Reshma Jagsi von der University von Michigan in Ann Arbor, dass die Suche nach einer weiteren Deeskalierung der Radiotherapie beim Frühkarzinom, die derzeit international betrieben wird, gerechtfertigt ist.

rme

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