Ärzteschaft

Marburger Bund fordert Reservekapazitäten in der stationären Versorgung

  • Donnerstag, 1. März 2018
/eunikas, stock.adobe.com
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Berlin/Hannover - Auf die Bedeutung von Reservekapazitäten in der stationären Versorgung hat der Marburger Bund (MB) hingewiesen. „Die aktuelle Grippewelle zeigt, wie schnell Belastungsgrenzen in der ärztlichen Versorgung erreicht sind. Es ist deshalb leichtfertig, pauschal und ungeprüft einem Abbau stationärer Kapazitäten das Wort zu reden“, sagte Susanne Johna aus dem MB-Bundesvorstand heute in Berlin. „Wir wollen keine Mangelversorgung, wie sie im englischen Gesundheitsdienst an der Tagesordnung ist“, betonte sie.

Der aktuelle Grippewelle hat dazu geführt, dass vereinzelt Krankenhäuser keine weiteren Patienten mehr aufnehmen konnten oder können. „Wir können froh sein, dass es genügend stationäre Kapazitäten gibt, um schwer grippekranke Patienten zusätzlich zu allen anderen Patienten versorgen zu können“, sagte Johna. Wer meine, Deutschland komme auch mit deutlich weniger Krankenhäusern und Krankenhausbetten aus, „sollten sie sich jetzt einmal in den zentralen Notaufnahmen der Kliniken umschauen“, sagte Johna, die auch Landesvorsitzende des MB in Hessen ist.

Aufnahmestopp in Bonn

In der vergangenen Woche wurden rund 35.300 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut übermittelt. Damit sind rund 120.000 Fälle seit Oktober 2017 registriert worden. Zwei Beispiele illustrieren die besonderen Belastungen, die damit für Kliniken einhergehen: So hatte die LVR-Klinik Bonn des Landschaftsverbandes Rheinland wegen Influenzaerkrankungen bei Patienten und Mitarbeitern Mitte Februar einen Aufnahme- und Besuchsstopp verhängt. „Der Schutz der Bevölkerung, der anderen Patienten sowie unserer Mitarbeitenden ließ uns keine andere Wahl. Nur so können wir eine weitere Verbreitung des hoch ansteckenden Influenzavirus vermeiden“, sagte der ärztliche Direktor der Klinik, Markus Banger. 

Auch Zentren der Maximalversorgung wie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) berichten von besonderen Belastungen durch die Grippewelle: „Die jährlich wiederkehrenden Virusepidemien, Influenza oder auch andere Erreger, führen zu einer Vervielfachung von Erkrankungen, die die Arztpraxen, aber auch die Krankenhäuser weit über das normale Maß hinaus belasten. Unserem Gesundheitssystem fehlen Strukturen, um auf die zeitlich begrenzte Erhöhung der Patientenzahlen reagieren zu können“, sagte Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der MHH. 

Länder müssen ihre Investitionsverpflichtungen erfüllen

Johna appellierte an die Länder, ihren Investitionsverpflichtungen für die Kranken­häuser endlich in vollem Umfang nachzukommen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums stellten die Länder im vergangenen Jahr 2,98 Milliarden Euro für Investitionen in Krankenhäuser zur Verfügung. Schätzungen aus Wissenschaft und Praxis gehen dagegen von einem jährlichen Investitionsbedarf von circa fünf Milliarden Euro bis circa 6,6 Milliarden Euro aus. 

hil

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