Medizinisches Cannabis: Weiter Streit um Behandlungskosten
Frankfurt/Main – Gut ein halbes Jahr nachdem medizinisches Cannabis in bestimmten Fällen an Schwerkranke verordnet werden kann, hakt es immer noch bei der Abrechnung. Hersteller von Cannabis-Wirkstoffen kritisieren, die Krankenkassen würden nicht alle Kosten übernehmen. „Es gibt Anlaufschwierigkeiten“, sagt Marla Luther, Deutschland-Chefin der Firma Tilray. Die Ablehnungsquote der Kassen bei Cannabistherapien liege bei geschätzten 50 Prozent. Auch Michael Popp, Vorstandsvorsitzender des bayerischen Produzenten Bionorica, bemängelt eine noch „eher zurückhaltende Kostenerstattung“.
Die Wirksamkeit von Cannabis sei bisher nicht vollends erforscht, argumentieren hingegen die Kassen. In den ersten zwei Monaten nach der Liberalisierung im März habe ihnen schon eine „mittlere vierstellige Zahl“ von Anträgen für entsprechende Präparate vorgelegen, erklärte der GKV-Spitzenverband. Deutlich mehr als die Hälfte sei positiv beschieden worden, da die gesetzlichen Anforderungen als erfüllt anzusehen waren, hieß es weiter. Viele Anträge auf Erstattung seien indes nicht vollständig oder fehlerhaft gewesen – etwa weil Nachweis fehle, dass gängige Schmerztherapien ausgeschöpft seien.
Die Krankenkassen würden bei jedem zugelassenen verschreibungspflichtigen Medikament die Kosten übernehmen, betonte eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbands. Es gebe bei medizinischem Cannabis aber Fragen der Arzneimittelsicherheit. Anders als bei üblichen Medikamenten habe man bei Cannabis nicht vorab über Studien nachweisen müssen, dass es sicher wirke. Verlässliche Informationen zu Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Substanzen fehlten ebenso, sagte sie.
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