Meningitis in England: Hunderte sollen vorbeugend Antibiotika einnehmen

London – Nach zwei Meningitis-Todesfällen werden in der Grafschaft Kent in Südengland vorsorglich Hunderte Menschen mit Antibiotika behandelt. Wie viele Menschen insgesamt vorsorglich gegen die Bakterien wirkende Mittel erhalten sollten, blieb zunächst unklar.
Da viele Studierende betroffen sind, bot die Universität von Kent in Canterbury eine eigene Sprechstunde für die Antibiotikaprophylaxe an. Auf dem Campus bildeten sich lange Schlangen von Studierenden, die auf ihre Medikamente warteten.
Bei den beiden Toten handelt es sich laut britischen Medienberichten um eine 18-jährige Schülerin einer Schule in Faversham und einen 21-jährigen Studenten der Universität in Canterbury. Mindestens elf weitere Infizierte wurden zur Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen.
Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA hatten einige der Infizierten in der vorvergangenen Woche die Großraumdisco „Club Chemistry“ in Canterbury besucht.
„Es ist wichtig, dass sich alle melden, die diesen Nachtclub zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, um eine vorbeugende Antibiotikabehandlung zu erhalten“, sagte Trish Mannes, die stellvertretende Leiterin der UKHSA in der Region.
Bei den Infektionen in Canterbury wurde nach Angaben der UKHSA die Erregergruppe B nachgewiesen, die zu gefährlichen Erkrankungen führen kann. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes (NHS) liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa zehn Prozent.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die Todesfallrate mit sieben bis 15 Prozent an. Viele Überlebende litten an schweren Langzeitfolgen, hieß es. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken der Untergruppe B für alle Säuglinge ab zwei Monaten.
Die UKHSA steht wegen ihrer Informationspolitik zu dem Meningokokken-Ausbruch in der Kritik. Die Behörde gab die Todesfälle am vergangenen Sonntag bekannt, nachdem sie nach eigenen Angaben am vergangenen Samstag über die Infektionsfälle informiert worden war.
Die stellvertretende Behördenchefin Gyatri Amirthalingam sagte heute der BBC, die Infektionen hätten sich „extrem schnell“ ausgebreitet. Die UKHSA habe schnell gehandelt und zunächst enge Kontaktpersonen der Infizierten informiert. „Verzögerungen“ beim Infektionsschutz habe es aus ihrer Sicht nicht gegeben.
Wie der „Club Chemistry“ mitteilte, hatten an den drei genannten Tagen rund 2.000 Menschen die Disco besucht. Auch mehrere Angestellte haben sich demnach infiziert. Der Club bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
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