Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetesversorgung

Augsburg – Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten eine schlechtere Diabetesversorgung als Menschen ohne psychische Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam um den Erstautor Elias Wagner vom Universitätsklinikum Augsburg in einem systematischen Review und Metaanalyse (Lancet Psychiatry 2026; DOI: 10.1016/S2215-0366(25)00332-3).
In die Analyse flossen Daten aus 49 internationalen Studien ein, die rund 5,5 Millionen Menschen mit Diabetes umfassten. Darunter fanden sich fast 840.000 Betroffene mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung.
Es zeigten sich erhebliche Versorgungsunterschiede – mit potenziell gravierenden Folgen für die Lebenserwartung, wie es in einer Pressemitteilung der Universität Augsburg heißt.
Demnach sei die Wahrscheinlichkeit, überhaupt eine leitliniengemäße Überwachung und Versorgung zu erhalten, signifikant geringer als bei Menschen ohne psychische Erkrankung (Odds Ratio [OR] 0,81; 95-%-Konfidenzintervall [0,70; 0,94], p = 0.0049).
Unterversorgt wurden Menschen mit Diabetes und psychischer Erkrankung bei grundlegenden Maßnahmen des Diabetesmanagements und der Prävention typischer Folgeschäden: beim Messen des HbA1c-Werts (OR 0,81 [0,68; 0,97]; p = 0,024), bei Netzhautuntersuchungen (OR 0,77 [0,63; 0,95]; p = 0,01), bei Kontrollen von Fettstoffwechsel (OR 0,83 [0,69; 0,99], p = 0,043) und Nieren (OR 0,78 [0,63; 0·96]; p = 0,022) sowie bei Fußuntersuchungen (0,85 [0,76; 0,95]; p = 0,0044).
Auch bei der medikamentösen Therapie zeigten sich relevante Unterschiede. So erhielten Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger Insulin (OR 1,52 [1,16; 1,99]; p = 0,0022). Sie hatten jedoch geringere Chancen auf eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten (OR 0,26 [0,13; 0,49]; p < 0,0001).
Letztere können der Mitteilung zufolge bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker senken und das Herz-Kreislauf-Risiko reduzieren. Gerade dieser Befund sei besonders kritisch, da Menschen mit psychischen Erkrankungen ohnehin ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung hätten.
„Unsere Ergebnisse zeigen anhaltende Lücken in der Diabetesversorgung von Menschen mit psychischen Störungen auf. Deswegen sind gezielte Maßnahmen zur Beseitigung dieser Ungleichheiten erforderlich“, sagte Wagner. Wie genau die Versorgungsqualität verbessert werden könne, müsse mit weiteren Studien untersucht werden.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: