Politik

Ministerin verteidigt Freistellung nach Magdeburger Anschlag

  • Montag, 23. März 2026
Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) /picture alliance, Klaus-Dietmar Gabbert
Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) /picture alliance, Klaus-Dietmar Gabbert

Magdeburg – Sachsen-Anhalts Gesundheits- und Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hat das Vorgehen bei der Aufarbeitung des beruflichen Umfelds des späteren Magdeburger Todesfahrers verteidigt.

Die Freistellung von dessen Vorgesetzten – dem früheren Ärztlichen Direktor des landeseigenen Gesundheitsunternehmens Salus –, im Februar 2025, habe sie ausdrücklich unterstützt, sagte die SPD-Politikerin im parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Landtag. „Das war unumgänglich.“

Taleb A. war im Dezember 2024 mit einem Auto über den Weihnachtsmarkt von Magdeburg gefahren. Sechs Menschen wurden getötet, mehr als 300 wurden zum Teil schwerstverletzt.

Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus Saudi-Arabien. Er arbeitete im Maßregelvollzug in Bernburg (Salzlandkreis) bei der Salus als Stationsarzt, sein Aufgabengebiet umfasste die psychiatrische Betreuung von Straftätern.

Der frühere Ärztliche Direktor habe unvollständig und lückenhaft informiert, kritisierte Grimm-Benne. A. sei auf Grundlage der Einschätzungen des damaligen Ärztlichen Direktors von der Salus zunächst als zuverlässig dargestellt worden, betonte die Ministerin.

Erst Wochen später habe man zufällig von einer E-Mail erfahren, über die ihr Haus viel früher hätte informiert werden müssen, so Grimm-Benne. Im Februar 2025 war herausgekommen, dass sich ein Kollege ein paar Monate vor dem Anschlag Sorgen um die Verfassung von A. machte. Er gab diesen Hinweis per E-Mail an Vorgesetzte weiter.

A. hatte in einem Gespräch im Dienstzimmer gesagt, er befände sich in einem Krieg, „aber nicht im metaphorischen Sinn, sondern in einem wirklichen Krieg, dessen Ausgang entweder sterben oder umbringen sein wird“. Der Ärztliche Direktor hat daraufhin ein Gespräch mit A. geführt, Anzeichen einer Selbst- oder Fremdgefährdung soll es nicht gegeben haben.

Ein Sonderbericht hat später ergeben, dass A. bei der Salus durch verschiedene Verhaltensweisen aufgefallen war: lange und wirre Mails, Unzuverlässigkeit und wenig Engagement. Zudem wurde er als verschlossener Einzelgänger beschrieben. Außerdem wies er fachärztliche Defizite auf. Grimm-Benne sagte, eine Kündigung von A. hätte früher in Erwägung gezogen werden müssen.

Mit der Freistellung des damaligen Ärztlichen Direktors habe man unter anderem sicherstellen wollen, dass dieser keinen Einfluss auf den Sonderbericht nehme, so die Ministerin. Das Arbeitsverhältnis mit dem Ärztlichen Direktor wurde später aufgelöst. Sie müsse sich darauf verlassen können, dass sie von Bediensteten umfassend und richtig informiert werde, sagte Grimm-Benne.

dpa

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