Ministerium sieht Prüfpraxis der Krankenkassen kritisch

Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit steht den Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) kritisch gegenüber. „Natürlich müssen die Kassen nachprüfen, ob hinter einer Krankmeldung auch wirklich eine Krankheit steckt. Falls Krankschreibungen pauschal, massenhaft und nur nach Durchsicht der Akten zurückgewiesen werden, dann ist das nicht in Ordnung“, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der Zeitung Die Welt.
Er bezog sich damit auf Erhebungen, nach denen MDK-Gutachter im vergangenen Jahr rund 230.000 Mal entschieden haben, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer eigentlich doch arbeitsfähig seien – das sind 16 Prozent der untersuchten Fälle. „Es gibt Kassen, die von vornherein Krankschreibungen abgelehnt und dann darauf gesetzt haben, dass die Betroffenen sich nicht dagegen wehren“, kritisierte der Minister. Er forderte, jeden Einzelfall zu würdigen: „Der Betroffene muss angeschaut werden“, so Bahr.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat die Kritik des Ministers am Prüfverhalten der Krankenkassen begrüßt. „Die Kliniken sehen sich einer permanent steigenden Prüfungsflut ausgesetzt. Dabei werden computergesteuerte Prüfungen eingeleitet, ohne dass die medizinischen Sachverhalte gewürdigt werden“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Das offensichtliche Ziel der Kassen sei, die Rechnungen zu mindern, obwohl die Krankenhäuser die Leistungen für die Patienten erbracht hätten, so Baum.
Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, hatte das Vorgehen der Kassen gerügt: „Die Kassenmanager haben doch längst ihre Verantwortung für ihre Versicherten vergessen. Sie handeln wie Finanzakrobaten, die statt der Patienten nur noch ihre Bilanzen im Blick haben“, so der Ärztepräsident.
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