Politik

Modellprojekt zur Pflege-Personalbemessung zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf

  • Mittwoch, 21. Januar 2026
Pflegeheim
/picture-alliance, Holger Hollemann

Berlin – Der Einsatz eines neuen von der Universität Bremen entwickelten Personalbemessungsinstrumentes für die die vollstationäre Langzeitpflege bewährt sich grundsätzlich. Die Evaluation des entsprechenden Modellprojektes zeigt aber auch Schwierigkeiten auf. Das geht aus zwei Abschlussberichten zu dem Modellprojektes hervor, die der GKV-Spitzenverband jetzt vorgestellt hat.

„Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in den Wohnbereichen, in denen Mehrpersonal eingesetzt und das neue Arbeitsorganisationskonzept implementiert wurde, in allen drei Outcome-Dimensionen, wenn auch nicht in allen betrachteten Aspekten, Verbesserungen nachgewiesen werden konnten“, heißt es in dem Evaluationsbericht.

„Der Personalmix in der Pflege ist wichtig für eine bessere Versorgung“, sagte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Es reiche aber nicht, einfach nur mehr Personal einzusetzen. Letztendlich komme es darauf an, in welcher Form und nach welcher Qualifikation das zusätzliche Personal entsprechende Aufgaben übernehme.

Das entwickelte und evaluierte Personalkonzept sei ein Instrument, mit dem Pflegeeinrichtungen in der vollstationären Pflege den für sie besten Personaleinsatz entwickeln könnten. „Wir hoffen, dass viele Einrichtungen die Ergebnisse als Hilfe nutzen, um für die Praxis eine gute Balance zwischen den Bedarfen der Pflegebedürftigen, den fachlichen Anforderungen und den vorhandenen Pflegekräften zu finden“, so Blatt.

Das im Jahr 2020 von der Universität Bremen vorgelegte Personalbemessungsverfahren ermöglicht es, den Bedarf an Pflegefachpersonen sowie Pflegehilfs- und Pflegeassistenzkräften in vollstationären Pflegeeinrichtungen abhängig von der Verteilung der Pflegegrade der Bewohner zu berechnen. Im Kern geht es also darum, die Zahl und Qualifikation der Pflegenden auf die genauen Bedarfe der Bewohner abzustimmen.

Allerdings zeigen die Abschlussberichte auch Probleme aus der Praxis: „Erstens konnte die Mehrpersonalisierung nicht vollumfänglich erreicht werden“, heißt es in dem Bericht „Konzeptentwicklung, Konzepterprobung und Strategieentwicklung“.

Zweitens zeigten sich auch Probleme bei der Kompetenzeinschätzung der Pflegenden. „Es zeigte sich, dass bei den Pflegekräften keineswegs davon ausgegangen werden kann, dass individuell exakt die ihrem Qualifikationsniveau entsprechenden Kompetenzen vorhanden sind“, formuliert das Autorenteam des Berichtes. 

Vielmehr sei deutlich geworden, dass sowohl Personen mit latent vorhandenen, aber nicht akut abrufbaren, Kompetenzen als auch solche mit einer Kompetenzausstattung, die ihr jeweiliges formales Qualifikationsniveau übersteigen würden, in den Modelleinrichtungen angetroffen worden seien.

Der GKV-Spitzenverband weist daraufhin, dass vollstationäre Pflegeeinrichtungen ab sofort umfangreiche Unterstützung bei der Umsetzung des innovativen Personalkonzepts erhalten können. Dafür stelle der GKV-Spitzenverband Arbeitshilfen und Materialien zur Einführung bereit.

hil

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