Ärzteschaft

Montgomery warnt vor Öffnungen zum Weihnachtsfest

  • Donnerstag, 26. November 2020
Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. /dpa
Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. /dpa

Berlin – Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat vor einem Anstieg der Coronainfektionszahlen nach Weihnachten gewarnt. „Medizinisch-epidemio­logisch ist es Wahnsinn, zu Weihnachten wieder aufzumachen und zu lockern“, sagte er heute Morgen im Radioprogramm „SWR Aktuell“. Zwei bis drei Wochen später werde es mehr Todesfälle geben, prognostizierte er. „Weihnachten wird damit zu einem Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen.“

Er verstehe, dass Lockerungen über die Feiertage aus psychologischer Sicht für die Menschen wichtig seien. Das Risiko könne man in Kauf nehmen, wenn sich die Bevöl­kerung danach von selbst an die Distanzregeln halte.

Lockerungen über Silvester unverständlich

Kein Verständnis habe er dafür, dass die gelockerten Kontaktbeschränkungen auch über Silvester gelten sollen. Über den Jahreswechsel sei viel Alkohol im Spiel. Menschen würden gemeinsam feiern und sich in den Armen liegen. „Das sind wunderbare Infek­tions­quellen. Da freut sich das Virus und jubelt“, sagte Montgomery.

Auch der Intensivmediziner Uwe Janssens hat sich besorgt über die Lockerung der Kontaktbeschränkungen geäußert, auf die sich Bund und Länder für Weihnachten verständigt haben.

„Bei allem Verständnis für Weihnachten und Familienfeiern müssen wir leider befürchten, dass in der Folge der partiellen Aufhebung der Einschränkungen um Weihnachten im Januar die Infektionszahlen wieder ansteigen“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland heute.

Mit dem Rücken zur Wand

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten sich gestern zur Bekämpfung des Coronavirus zwar auf eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen im Dezember geeinigt – mit einer Begrenzung von Treffen auf maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet. Weihnachten soll aber gefeiert werden können – im engsten Familien- und Freundeskreise mit maximal zehn Menschen, Kinder bis 14 Jahre ebenfalls nicht eingerechnet.

Janssens kritisierte „das ewige Auf und Ab der politisch getroffenen Entscheidungen“. In der Intensivmedizin stehe man mittlerweile in einigen Regionen mit dem Rücken zur Wand.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sieht geplante Lockerungen der Corona­einschränkungen für Weihnachten hingegen positiv. „Es ist gut, dass die Bundesregierung und Spitzen der Länder bei den jetzt notwendigen Regelungen zum Infektionsschutz die herausgehobene Bedeutung des Weihnachtsfestes ausdrücklich gewürdigt haben“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Die christliche Weihnachtsbotschaft sende gerade jetzt ein helles Hoffnungslicht in eine zutiefst verunsicherte Welt.

dpa

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