Medizin

MRT zeigt Gehirnveränderungen bei Adipösen

  • Donnerstag, 10. November 2011
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Leipzig – Das auffällige Essverhalten von Menschen mit starkem Übergewicht (Adipösen) spiegelt sich auch im Gehirn wieder. Auf eine entsprechende Studie aus Leipzig hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hingewiesen. Die Studie ist in der Zeitschrift Frontiers of Human Neuroscience erschienen (Front Hum Neurosci. 2011; 5: 58) erschienen.
 

Ziel der Forscher vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums für Adipositaserkrankungen (IFB) und des Universitätsklinikums Leipzig war, besser zu verstehen, wie das Gehirn Hunger- und Sättigungsgefühle reguliert und das Essverhalten steuert.

Dazu nutzten sie unter anderem bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT). Beim Vergleich der Hirnstrukturen fanden die Wissenschaftler nicht nur Unterschiede zwischen dicken und dünnen Menschen sondern auch zwischen den Geschlechtern.
 

„Wir müssen das Thema Adipositas auch vor dem Hintergrund geschlechtsspezifischer Unterschiede der Hirnstrukturen betrachten“, erklärt Haiko Schlögl, Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig.

So könnten die Erkenntnisse etwa Hinweise darauf geben, warum Frauen häufiger adipös werden als Männer, und wie Verhaltenstherapien effektiv gestaltet werden könnten. Noch sei allerdings unklar, ob die veränderten Gehirnstrukturen Ursache oder Folge des ungesunden Essverhaltens sind.
 

Hunger und Appetit werden im Gehirn über ein kompliziertes System vernetzter Strukturen reguliert. Eine wichtige Rolle spielen dabei Hormone, die von den Zellen des Fettgewebes und des Verdauungstraktes ausgeschüttet werden und dem Hypothalamus melden, wie es um die Energiereserven bestellt ist.

So können Hormone aus dem Magendarmtrakt kurzfristig Appetit anregen oder das Gefühl der Sättigung vermitteln. Hormone des Fettgewebes wie das Leptin vermitteln dem Hypothalamus zudem Informationen über den Füllstand der Langzeit-Energiespeicher.

Ob ein Mensch zur Sahneschnitte greift oder nicht, hängt allerdings nicht allein davon ab, ob er tatsächlich Energie benötigt. „Das limbische System ordnet den Nahrungsreizen einen emotionalen Wert zu und erzeugt das subjektive Erleben von Appetit“, erklärt Schlögl. Die Belohnungseffekte, die durch das Essen erzeugt werden, könnten zu einer Art Suchtverhalten führen.

hil

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