Ärzteschaft

Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer zurückgetreten

  • Mittwoch, 25. März 2026
Sabine Maur /Lisa Krieg Fotografie
Sabine Maur /Lisa Krieg Fotografie

Mainz – Die Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz (LPK RLP) und Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Sabine Maur, hat am vergangenen Montag beide Ämter mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Hintergrund ist eine Videoveröffentlichung aus einer Fortbildungsveranstaltung.

Es sei ein Mitschnitt ihrer Äußerungen im Rahmen einer Onlinefortbildung gewesen, der Gegenstand von Presseberichten und eines von ihr geführten Gerichtsverfahrens gewesen sei, erläutert Maur auf der Homepage der LPK-Rheinland-Pfalz. Das Fortbildungsseminar für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten hatte Genderdiversität zum Thema.

Das Landgericht Berlin II habe in seinem Urteil vom 10. März insofern ihrer Klage stattgegeben, als es der Antragsgegnerin strafbewehrt untersagt hat zu behaupten, sie würde Diagnosen falsch ausstellen, schreibt Maur.

Zugleich habe das Landgericht Berlin II ihre Äußerungen in berufsrechtlicher Hinsicht beanstandet und ihre Vorbildfunktion betont. Dem Urteil zufolge hätte sie Zuhörerinnen und Zuhörern das Vorgehen, „einen Hinweis auf die Non-Binarität (…) zu unterlassen“, nahegelegt, um dadurch „den Ausschluss non-binärer Menschen von der Kostenerstattung für geschlechtsangleichende Maßnahmen zu umgehen“ und „eine Kostenerstattung zu erwirken.“

Maur schreibt dazu auf der Homepage der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz: „Wenn ich mich missverständlich äußere, übernehme ich dafür die Verantwortung, auch um Schaden von den Kammern abzuwenden.“

Kritiker von Maur werfen ihr vor, mit ihrer Aussage zu falscher Diagnostik aufgerufen zu haben. Das sei nicht hinnehmbar. Sie werfen die Frage auf, ob ihre Aussagen mit berufsrechtlichen und ethischen Standards vereinbar sind. In dem Fall gehe es darum, Informationen bewusst zu unterlassen, um eine Kostenübernahme für chirurgische Eingriffe zu erwirken.

Der Vorstand der LPK Rheinland-Pfalz betont, „die Entscheidung von Sabine Maur mit großem Respekt und Bedauern zur Kenntnis zu nehmen“. Sie habe sich intensiv für die Interessen psychisch kranker Menschen in Rheinland-Pfalz und für eine bessere psychotherapeutische Versorgung eingesetzt. „Mit ihren tiefen Kenntnissen, ihrem Blick über den Tellerrand und ihrem ethischen Kompass hat Frau Maur die Arbeit der Kammer wesentlich vorangebracht.“

Auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bedauert das Ausscheiden von Sabine Maur aus dem Vorstand. Sie habe sich „mit herausragendem Engagement für eine differenzierte Neuausrichtung der BPtK zu Fragen der Digitalisierung, eine umfassende Strategie für Inklusion und gegen Diskriminierung jeder Art“ eingesetzt. Für ihr konsequentes Eintreten für ambitionierten Klimaschutz als integralen Bestandteil des Gesundheitsschutzes und den Aufbau zukunftsfähiger Strukturen für den gesundheitlichen Bevölkerungsschutz sei ihr zu danken.

Die Plattform Qeernet-RLP bedauert den Rücktritt von Sabine Maur. Trotz Aufzeichnungsverbot sei die Fortbildungsveranstaltung gefilmt und ein 60-sekündiger Ausschnitt anonym im Internet mit entsprechend transfeindlichen Aussagen weiterverbreitet worden.

„Der gezeigte Moment stellt allerdings keinen Skandal dar, wie es auf X vielfach geframed wurde, sondern zeigt eine fachliche Auseinandersetzung durch Sabine Maur mit einem ethischen Konflikt in der Behandlung non-binärer Personen – mit dem klaren Fokus auf das Wohl der Patientinnen und Patienten“, heißt es auf der Plattform.

Den Vorwurf weisen die Kritiker entschieden zurück. Es handele sich nicht um Hetze oder ein Agieren aus Ablehnung von Transmenschen, sondern gehe um die zweifelhaften Abrechnungsempfehlungen, die Maur gegeben habe.

Anm. d. Red.: Der Beitrag wurde am 26.3. überarbeitet.

EB

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