Notfälle an Kliniken wegen Glätte ums Vielfache gestiegen

Berlin – In Berlins Krankenhäusern mussten wegen Glatteisunfällen in den ersten Wochen des Jahres mehr Patienten als im Vorjahreszeitraum versorgt werden. Das zeigt eine erste Zwischenbilanz.
Nach Angaben von Vivantes wurden im Januar 2026 in den sieben Rettungsstellen für Erwachsene und den Unfallchirurgien etwa 20 bis 30 Prozent mehr Verletzungen behandelt als im Vorjahr, wie eine Sprecherin mitteilte.
Ein Großteil der Fälle konnte ihren Angaben nach ambulant versorgt werden, ein kleinerer Teil musste stationär aufgenommen werden. Auch jetzt noch seien die Unfallchirurgen stark mit Operationen zur Versorgung der zahlreichen Sturzverletzungen ausgelastet.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Kliniken der Johannesstift Diakonie (JSD). In ihren vier Notaufnahmen wurden je nach Tag und Standort bis zu sechsmal mehr Menschen versorgt als an gewöhnlichen Wintertagen, wie eine Sprecherin mitteilte. Da die Betten zum Teil nicht ausgereicht hätten, seien etwa in der Evangelischen Elisabeth Klinik Feldbetten aufgestellt worden.
Teilweise seien Patienten aus entfernten Bezirken wie Prenzlauer Berg nach Wilmersdorf gebracht worden, sagte die JSD-Sprecherin. „Am 30. Januar war die Situation so ausgereizt, dass die Feuerwehr Verletzte mit Löschfahrzeugen in die Kliniken brachte. Und sogar Polizeifahrzeuge brachten Menschen in die Notaufnahmen.“
Zusätzlicher OP-Saal an der Charité
Von einer seit Jahresbeginn „sehr angespannten“ Lage mit dauerhaft hohen Patientenzahlen spricht die Charité. Allein vom 16. Januar bis 1. Februar 2026 seien in den Notaufnahmen rund 630 Personen mit glättebedingten Verletzungen versorgt worden.
In der Unfallchirurgie mussten teilweise täglich bis zu zehn zusätzliche Operationen durchgeführt werden, wie eine Pressereferentin mitteilte. „Seit Jahresbeginn ist daher ein zusätzlicher OP-Saal nahezu durchgehend in Betrieb, um die benötigten OP-Kapazitäten zu sichern. Dadurch kommt es teilweise auch zu Verschiebungen anderer geplanter Operationen.“
In der Rettungsstelle des Sana Klinikums Lichtenberg wurden von 1. Januar bis 11. Februar mehr als 800 Patientinnen und Patienten mit glättebedingten Verletzungen behandelt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag die Zahl bei weniger als der Hälfte, wie eine Sprecherin erklärte.
Spitzenwerte verzeichneten Ende Januar auch die DRK Kliniken Berlin. Nach Angaben einer Sprecherin wurden am 30. Januar 2026 in der Zentralen Notaufnahme in Köpenick 202 Fälle dokumentiert, im Vorjahr waren es am selben Tag 125.
Auch die Joseph Kliniken Berlin mit ihren zwei Notaufnahmen berichten von einem deutlichen Anstieg. Im St. Joseph Krankenhaus stiegen die Fallzahlen in Orthopädie und Unfallchirurgie zwischen dem 1. Januar und dem 11. Februar 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent,
Arbeits- und Wegunfälle um 22 Prozent und Fälle im Bereich Kinderorthopädie und -chirurgie ebenfalls um 22 Prozent, teilte ein Sprecher mit. Behandelt wurden in den Kliniken vor allem Verletzungen der Extremitäten wie Arm-, Bein-, Sprung- und Handgelenksfrakturen, zudem Schulter- und Hüftverletzungen sowie Gehirnerschütterungen und andere Kopfverletzungen.
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