Politik

Nutzen von universellem B-Strepto­kokken-Screening bei Schwangeren unklar

  • Montag, 30. Juli 2018
/RFBSIP, stockadobecom
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Köln – Die Studienlage dazu, ob alle Schwangeren auf B-Streptokokken getestet werden sollten, ist wenig aussagekräftig. Der mögliche Zusatznutzen eines allgemeinen Screenings bleibt daher unklar. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Vorbericht.

Die IQWiG-Wissenschaftler suchten nach Studien, die die Teststrategie mit der bisherigen Risikostrategie verglichen. Allerdings identifizierte das Institut keine Untersuchung, die belastbare Ergebnisse hätte liefern können. Eine größere Kohortenstudie aus dem Jahr 2002 bezogen die Wissenschaftler nicht ein, weil sie laut Institut gravierende methodische Mängel aufweist.

Test keine Regelleistung

Im Augenblick erhalten Schwangere mit bestimmten Risikofaktoren entsprechend der Risikostrategie kurz vor der Geburt Antibiotika, beispielsweise, wenn Fieber vorliegt, wenn eine Frühgeburt droht, oder wenn sich der Geburtsvorgang stark verzögert. Allerdings ist auch ein Test auf dem Markt, den man allen Schwangeren anbieten könnte (sogenannte Teststrategie). Damit könnte man auch Schwangere finden, die keinen Risikofaktor aber dennoch B-Streptokokken aufweisen.

Die aktuelle Leitlinie der deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt einen solchen B-Streptokokken-Test generell gegen Ende der Schwanger­schaft. Bislang müssen die werdenden Mütter den rund zehn bis 30 Euren teuren Test allerdings häufig selbst bezahlen. Einige Krankenkassen tragen die Kosten, Regel­leistung ist er aber nur dann, wenn eine Frühgeburt droht.

Streptokokken der serologischen Gruppe B sind weit verbreitete Bakterien, die aber meist unbemerkt bleiben. Das gilt auch für die knapp 20 Prozent der Schwangeren, bei denen Scheide oder Anus besiedelt sind. Ein Risiko sind die Bakterien für die Babys: Stecken sie sich bei der Geburt an, kann das im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung oder eine Hirnhautentzündung auslösen. Etwa eines von 3.000 Neugeborenen infiziert sich bei der Geburt mit B-Streptokokken, davon sterben laut IQWiG 3,2 Prozent an den Folgen.

Bei der IQWiG-Ausarbeitung handelt es sich bislang um einen Vorbericht. Fachgesell­schaften und andere Interessierte können bis zum 24. August Stellungnahmen dazu abgeben.

hil

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