Nutzung von KI-Chatbots für Gesundheitsfragen weit verbreitet

Berlin – Die Nutzung von KI-Chatbots schreitet im Lebensalltag weiter voran, dies betrifft einer aktuellen Umfrage zufolge auch zunehmend den Themenbereich der medizinischen Versorgung. Demnach nutzt knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) KI-Chatbots bereits regelmäßig (17 Prozent) oder zumindest gelegentlich (30 Prozent) aktiv für Gesundheitsfragen.
Das entspricht laut dem Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte – dieses nutzte für die Befragung eine repräsentative Stichprobe von 1.000 krankenversicherten Bürgern ab 18 Jahren, die nach soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Haushaltseinkommen gewichtet wurden – circa 70 Prozent derjenigen, die generell KI-Lösungen im Alltag verwenden.
Deutliche Unterschiede bei der Nutzung von KI zu Gesundheitsfragen offenbart der Blick aufs Alter der Befragten: Die größte aktive Nutzergruppe liegt mit 71 Prozent zwischen 18 und 34 Jahren. Dies steht im starken Kontrast zu den Über-65-Jährigen, bei denen die aktive Nutzung bei 21 Prozent liegt.
Die aktiven Nutzenden von KI-Chatbots zeigten sich in der Befragung von der Qualität der Ergebnisse überzeugt. Knapp 93 Prozent äußerten, sie seien im Allgemeinen zufrieden (65 Prozent) oder sehr zufrieden (28 Prozent). Die Zufriedenheit verteilt sich homogen über alle untersuchten Altersgruppen hinweg.
Wie auch Deloitte betont, steht die wahrgenommene Qualität der KI-Ergebnisse allerdings im starken Kontrast zur wissenschaftlich nachgewiesenen Qualität. Zahlreiche Studien zeigen, dass frei verfügbare KI-Anwendungen im Gesundheitskontext fehleranfällig sind. Aufgrund der nachgewiesenen niedrigen Gesundheitskompetenz in Deutschland könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese Faktenlage in der Bevölkerung bekannt ist, so Deloitte.
In Verbindung damit besonders bedenklich: Die hohe Zufriedenheit mit der Ergebnisqualität führt auch zu einer Veränderung der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen. Nur etwa ein Drittel gab im Rahmen der Umfrage an, die Ergebnisse der KI-Recherche habe keine Änderung der Entscheidung, einen Haus- beziehungsweise Facharzttermin wahrzunehmen, ergeben.
67 Prozent wurden laut eigenen Angaben hingegen durch KI-Ergebnisse in ihrer Entscheidung beeinflusst. Dass aufgrund der KI-Antworten schon mal ein Haus-/Facharzt aufgesucht wurde, obwohl eigentlich kein Arztbesuch geplant war, gaben 34 Prozent an.
18 Prozent äußerten, aufgrund von KI-Ergebnissen bereits eine Notaufnahme beziehungsweise Notfallambulanz aufgesucht oder den Rettungsdienst kontaktiert zu haben. 15 Prozent haben bereits geplante Haus- beziehungsweise Facharzttermin abgesagt oder keine Terminanfrage gestellt.
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