Ökonom betrachtet höheres Rentenalter zur Pflegefinanzierung als erforderlich

Berlin – Die absehbar steigenden Pflegekosten in Deutschland werden aus Sicht des Ökonomen Michael Hüther nicht ohne eine dynamische Anhebung des Renteneintrittsalters zu finanzieren sein. Ohne eine Anhebung über das Alter von 67 Jahren hinaus werde das Problem nicht angemessen fair zwischen den Beitragszahlern und den Rentenempfängern verteilt werden können, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heute in Berlin.
Man müsse jüngeren Menschen klar machen, dass das Leben ihnen mehr abverlange. Es gehe um zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe im Pflegebereich, etwa für mehr Personal. Eine Pflegevollversicherung, bei der für den Einzelnen über die gezahlten Beiträge hinaus keine Kosten entstünden, lehnt Hüther ab.
Die derzeitige Teilkaskoversicherung ergebe aus der Logik heraus Sinn, die eigene Verantwortung und auch die Verantwortung von Angehörigen zu sehen, sagte er. Eine Vollversicherung würde dazu führen, dass der demografische Wandel sich noch viel direkter und viel kräftiger in den Beiträgen zur Pflegeversicherung niederschlagen werde.
Der Ökonom plädierte stattdessen dafür, an möglichst vielen Stellen anzusetzen. Einzelne Vorstöße wie die verstärkte Zuwanderung von Pflegefachkräften aus dem Ausland oder höhere Löhne über einen möglichen Tarifvertrag für die Branche als Anreiz würden allein nicht ausreichen.
In den Pflegeberufen arbeiteten wegen sprachlicher Hürden derzeit im Vergleich zum Beispiel weniger Menschen mit Migrationshintergrund als im allgemeinen Durchschnitt, erklärte Hüther. Es gebe keine einfachen Lösungen. Er äußerte sich bei einer Tagung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa).
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