Medizin

Opiodabhängigkeit: Entwicklungsstörungen bei Methadontherapie in der Schwangerschaft

  • Mittwoch, 1. April 2026
/JenkoAtaman, stock.adobe.com
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Bonn – Die Einnahme von Methadon in der Schwangerschaft wegen einer Opioidabhängigkeit könnte das Risiko für neurologische Entwicklungsauffälligkeiten beim Kind erhöhen, darunter niedrigere Werte in standardisierten Tests der geistigen und psychomotorischen Entwicklung sowie eine erhöhte Häufigkeit von Seh‑ und Verhaltensauffälligkeiten.

Es bleibt aber wegen der noch größeren Risiken eines Konsums illegaler Drogen dennoch wichtig. Darauf weist eine Arbeitsgruppe des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit hin (Ausgabe 1/2026). 

„Angesichts der verfügbaren Daten zur Untersuchung angeborener Fehlbildungen und neurologischer Entwicklungsstörungen bei Kindern opioidabhängiger Mütter aus der wissenschaftlichen Literatur und Beobachtungsstudien hält auch das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) einen kausalen Zusammenhang zwischen Methadonexposition und angeborenen Fehlbildungen sowie neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern opioidabhängiger Mütter für zumindest eine Möglichkeit“, heißt es auch in einem neuen „Periodic Safety Update Report Single Assessment“ zu Methadon der European Medicines Agency.

Der PRAC kam zu dem Schluss, dass die Produktinformationen von Produkten, die Methadon enthalten, geändert werden sollten, um den verfügbaren Erkenntnissen Rechnung zu tragen. 

Opioidgebrauch in der Schwangerschaft kann die Gesundheit der Mutter gefährden und ist nach Aussagen der BfArM-Arbeitsgruppe mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht, intrauterinem Wachstumsverzug und neonatalem Entzugssyndrom beim Kind verbunden.

Ein wichtiger Aspekt ist der Dosis-Effekt-Zusammenhang: Höhere Opioiddosen, insbesondere in den letzten Schwangerschaftswochen, gehen mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen neonatalen Opioidentzug einher.

Mehrere aktuelle Studien deuteten außerdem darauf hin, dass eine pränatale Exposition gegenüber Opioid‑Erhaltungstherapien, insbesondere Methadon, die visuelle Entwicklung beeinflussen kann. 

Die Aussagekraft der verfügbaren Daten ist jedoch dem BfArM-Team zufolge eingeschränkt: So seien die meisten Untersuchungen Beobachtungsstudien mit relativ kleinen Fallzahlen. Häufig fehlten Verblindungen oder eine konsequente Kontrolle wichtiger Störfaktoren wie eines Polysubstanzkonsums oder sozioökonomischer Faktoren.

„Bislang konnte daher weder ein eindeutiges Sicherheitssignal noch eine robuste kausale Beziehung im Sinne eines ‚Beweises‘ für Methadon als alleinige Ursache der beobachteten Auffälligkeiten etabliert werden“, heißt es in dem Beitrag.

Für die klinische Praxis bedeutet dies laut der BfArM-Arbeitsgruppe: Methadon bleibt ein wichtiges Instrument in der Behandlung opioidabhängiger Schwangerer, da ein unbehandelter Konsum illegaler Opioide erhebliche Risiken für Mutter und Kind berge. Gleichzeitig sollten Ärztinnen und Ärzte potenzielle langfristige Entwicklungsrisiken für das Kind in Aufklärungsgesprächen ansprechen und in die gemeinsame Therapieentscheidung einbeziehen.

hil

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