Ausland

Organisation beklagt Erniedrigung missbrauchter Kinder in Indien

  • Donnerstag, 7. Februar 2013

Neu Delhi – Sexuell missbrauchte Kinder in Indien werden laut Menschen­rechtsaktivisten in vielen Fällen von Polizisten und Ärzten zusätzlich erniedrigt und schlecht behandelt. „Kinder, die tapfer von sexuellem Missbrauch berichten, werden von der Polizei, medizi­nischem Personal und anderen Behörden oftmals weggeschickt oder ignoriert“, sagte der Regionaldirektor der Organisation Human Rights Watch (HRW), Meenakashi Ganguly, am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie. Oftmals seien die Miss­brauchs­opfer Erniedrigungen und schlechter Behandlung ausgesetzt.  

Die 82-seitige HRW-Studie mit dem Titel „Das Schweigen brechen“ enthält mehr als 100 Interviews mit Betroffenen. So berichtet eine Mutter, dass ihre dreijährige Tochter über Stunden starke Schmerzen hatte, nachdem Ärzte sie wegen des mutmaßlichen Missbrauchs untersucht hatten.

„Nach der Untersuchung konnte meine Tochter sechs bis acht Stunden lang nicht urinieren, weil es ihr so weh tat“, wird die Mutter in der Studie zitiert. Den Angaben zufolge müssen manche Kinder einen sogenannten „Finger-Test“ über sich ergehen lassen, obwohl dieser nach Expertenansicht keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft hat.  

Auch Termine bei der Polizei sind demnach häufig schlimm für die Betroffenen. Da es keine Anweisungen gebe, den Opfern sensibler zu begegnen und sie besser zu unterstützen, seien Polizeireviere für diese „ein Ort, vor dem sie sich fürchten müssen“, sagte Ganguly.

Eine Gesetzesinitiative der indischen Regierung aus dem vergangenen Jahr sieht Strafen für alle Arten von sexuellem Missbrauch vor und benennt Richtlinien für die Polizei und die Gerichte. Diese Initiative sei „sehr gut“, sagte Ganguly. Doch das Vorhaben sei zum Scheitern verurteilt, wenn Schutzmaßnahmen für die Opfer nicht umgesetzt würden und das Justizsystem nicht reformiert werde.

In Indien wird seit der tödlichen Vergewaltigung und Misshandlung einer Studentin Mitte Dezember verstärkt über sexuelle Gewalt diskutiert. Die 23-Jährige war in Neu Delhi in einem Bus vergewaltigt und brutal misshandelt worden und starb Ende Dezember an ihren schweren Verletzungen.

afp

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