Ausland

Österreich debattiert über Notstand im Gesundheitssystem

  • Donnerstag, 30. Oktober 2025
Das Tauernklinikum in Zell am See. /picture alliance, picturedesk.com, Franz Neumayr
Das Tauernklinikum in Zell am See. /picture alliance, picturedesk.com, Franz Neumayr

Wien/Salzburg – In Österreich reißt eine tödliche Serie von mutmaßlich unterlassener Hilfeleistung durch Krankenhäuser nicht ab. Bei dem jüngst bekannt gewordenen Vorfall soll ein Patient im Bundesland Salzburg vor einer Klinik an einem Herzstillstand gestorben sein, nachdem die Ärzte gemäß einer internen Richtlinie zunächst die Hilfe verweigert hätten. Das berichten die Salzburger Nachrichten heute.

Laut Bericht alarmierte die Ehefrau des Patienten einen Mitarbeiter am Klinikempfang, der nach Rücksprache mit einer diensthabenden Ärztin einen Rettungswagen für den Notfall anforderte. Erst als es dem Mann zunehmend schlecht ging, habe der Klinikmitarbeiter – entgegen der Vorschrift – den hausinternen Alarm ausgelöst.

Die erfolglose Reanimation durch die Krankenhausärzte begann 15 Minuten nach Absetzen des Notrufs. Von der Leitung des Tauernklinikums Zell am See hieß es, man wolle die Abläufe bei Notfällen prüfen. Der hausinterne Alarm darf den Informationen zufolge nur bei Notfällen im Krankenhaus ausgelöst werden, nicht bei Notfällen vor dem Gebäude.

Doch das ist nicht der einzige Fall: In der Alpenrepublik ist seit dem Wochenende eine Debatte über Missstände im Gesundheitssystem entbrannt. Kritiker bemängeln fehlende Ressourcen und schlechte Koordination. Auslöser war der Fall einer 54-jährigen Oberösterreicherin, die Mitte Oktober an den Folgen eines Aorteneinrisses starb. Zuvor hatten laut Berichten vier Krankenhäuser, darunter das Klinikum Passau, die Aufnahme wegen fehlender Kapazitäten abgelehnt.

Kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls sorgten mindestens drei weitere Vorfälle für Aufsehen, bei denen Krankenhäuser Notfallpatienten abgewiesen haben sollen – alle mit Todesfolge.

Österreichs Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sagte: „Das darf in unserem Gesundheitssystem einfach nicht vorkommen.“ Bei einem angekündigten Treffen mit den Gesundheitspolitikern der Bundesländer will sie über eine Verbesserung des „regionalen und überregionalen Versorgungsmanagements“ beraten.

kna

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