Pandemie führt zu Zusatzkosten, Lieferengpässe führen zu verfehlten Therapiezielen

Berlin – Aufwendungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie sowie die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) haben zu erheblichen Zusatzkosten in den Vertragsarzt- und Psychotherapiepraxen geführt. Probleme hat es auch mit der Verfügbarkeit von Arzneimitteln gegeben.
Das sind Ergebnisse einer Umfrage zu besonderen Kosten im Praxismanagement, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.
Bislang hat demnach jede Praxis im Mittel mehr als 1.300 Euro für persönliche Schutzausrüstung und weitere Hygienemaßnahmen wie Plexiglastrennwände zum Infektionsschutz gegen die COVID-19-Pandemie aufgewendet.
Die erweiterten Hygienemaßnahmen haben die gewohnten Arbeitsabläufe im Praxisalltag in knapp 90 Prozent aller Praxen verändert. Dies war insgesamt mit mehr als sechs Stunden durchschnittlicher wöchentlicher Mehrarbeit verbunden.
Mehrkosten hatte auch die Umsetzung der DSGVO. So mussten Praxen 2018 im Schnitt 2.487 Euro für Maßnahmen aufwenden. 2019 sind diese Aufwendungen um rund 18 Prozent auf 2.932 Euro gestiegen. Insgesamt schlugen die Kosten für IT in den Praxen 2019 mit rund 6.000 Euro pro Jahr zu Buche, die Steigerung betrug 60 Prozent im Vergleich zu 2017.
Die deutlichen Mehrkosten belasteten den ambulanten Bereich in einer Zeit, in der viele Praxen am Anschlag arbeiteten und die Budgets auf Kante genäht seien, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Die Ergebnisse der Zi-Erhebung zeigen außerdem, dass mehr als 80 Prozent der befragten Praxen von Lieferengpässen von Arzneimitteln betroffen gewesen sind – besonders in der hausärztliche Versorgung. Im Durchschnitt mussten demnach bei 138 Patienten im ersten Quartal 2020 Arzneimittelverordnungen aufgrund von Lieferengpässen geändert oder neu ausgestellt werden.
„Lieferengpässe bei Arzneimitteln betreffen demnach fast ein Viertel der Patienten mit einer Verordnung in den Hausarztpraxen“, so von Stillfried. Für Praxen bedeute das einen Mehraufwand von rund vier Stunden pro Woche für die Suche nach geeigneten Alternativpräparaten oder die Medikationsumstellung.
Aber auch für Patienten könne dies „unerfreuliche Konsequenzen“ haben. So hätten die teilnehmenden Praxen berichtet, dass in etwa zehn Prozent der Lieferengpässe das Therapieziel nicht habe erreicht werden können. Mehr als 90 Prozent der an der Zi-Erhebung teilnehmenden Hausarztpraxen haben laut Zi zudem von Lieferengpässen bei Impfstoffen und über einen zusätzlichen Zeitaufwand von 2,3 Stunden pro Woche berichtet.
Die Daten gehen auf einen Erhebungszeitraum vom 2. Juli 2020 bis 31. August 2020 zurück, an der knapp 1.900 Praxen an der Onlinebefragung teilgenommen haben. Ausgewertet wurden 1.744 Rückmeldungen, davon 455 Hausärzte, 774 Fachärzte und 515 Psychotherapeuten.
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