Pflegebevollmächtigte: Deutschland kommt ohne internationale Pflegekräfte nicht aus

Berlin – Ohne internationale Pflegekräfte wird Deutschland künftig nicht auskommen. Dies betonte Katrin Staffler (CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, gestern im ersten Teil ihrer neuen Online-Gesprächsreihe. Viele Pflegekräfte aus der Generation der Babyboomer gingen bald in Rente und könnten in den kommenden Jahren einmal selbst pflegebedürftig werden, sagte Staffler. „Die Pflege trifft es an der Stelle doppelt.“
Deshalb sei es richtig und wichtig, junge Menschen für die Pflege zu begeistern und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Doch der steigende Bedarf könne durch sie allein nicht abgefedert werden. Vielmehr brauche es zusätzliche Kräfte. Man werde nicht umhinkommen, internationale Fachkräfte zu rekrutieren, so Staffler.
Um im internationalen Wettbewerb und Ringen um Pflegekräfte mitzuhalten, gelte es, Menschen so integrieren zu können, dass sie auch hierbleiben wollten, forderte die Pflegebevollmächtigte. Dies sei längst kein Selbstläufer mehr, da auch andere Länder gute Ideen hätten, um Pflegekräfte anzuwerben und zu halten. Gebraucht werde eine gute Integration, damit sie auch blieben und nicht wieder abwanderten, sagte die CSU-Politikerin.
Es gelte, die Willkommenskultur in Betrieben mit Leben zu füllen, unterstrich Julia Schmidt, Projektleiterin beim Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF). Dafür sei ein schriftliches Konzept für jede Einrichtung empfehlenswert, mit klarer Struktur und Zuständigkeiten. Das mache den Prozess für alle transparent und nachvollziehbar.
Als Problem würden Einrichtungen häufig den Spracherwerb nennen. „Bei sprachlichen Schwierigkeiten wird häufig automatisch die Kompetenz infrage gestellt“, kritisierte Schmidt. Der Spracherwerb ende nicht mit dem Erwerb des B2-Zertifikats, das eine selbstständige Sprachverwendung bescheinigt. Wichtig sei zudem, von Anfang an einen Fokus auf Fachsprache zu legen und frühzeitig in den Teams zu sensibilisieren, damit sie bestmöglich unterstützen könnten.
Schmidt riet Pflegeeinrichtungen, sich frühzeitig mit möglichen Konflikten auseinanderzusetzen. Dazu zählten neben sprachlichen Missverständnissen auch Meinungsverschiedenheiten mit Pflegebedürftigen oder Angehörigen. Auch rassistische und diskriminierende Äußerungen seien „sehr wohl Thema“. Klar müsse sein, wer wem solche Vorfälle melde und wie damit umgegangen werde.
In einem fremden Land anzukommen und das Leben im Heimatland aufzugeben, sei für die meisten erst einmal schwierig, sagte Nora Schenderlein, Integrationsmanagerin bei der Vivantes Hauptstadtpflege in Berlin. Wichtig sei es deshalb, Unterstützung an allen möglichen Stellen zu bieten und den Prozess von der Anwerbung im Ausland bis zum Ankommen und Einleben in Deutschland zu begleiten.
Auch das Bild, das ausländische Fachkräfte von Deutschland hätten, zähle bei der Anwerbung, so Schenderlein. Bei der Rekrutierung internationaler Pflegekräfte im indischen Dehli hätten Interessierte ihr im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass sie sich vor allem Sorgen aufgrund der Stadtbild-Debatte in Deutschland machten. Dies könne letztlich auch dazu beitragen, dass sich Fachkräfte gegen Deutschland entschieden, kritisierte Schenderlein.
Nach außen müsse gespiegelt werden, dass man die internationalen Fachkräfte in Deutschland nicht nur brauche, sondern auch hier haben wolle, bekräftigte die Pflegebevollmächtigte Staffler. Deutschland müsse an seiner Willkommenskultur arbeiten und schließlich auch die komplexen, bürokratischen Prozesse vereinfachen, um künftige Fachkräfte nicht abzuschrecken.
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