Vermischtes

Pflegelöhne steigen, Heimkosten auch

  • Montag, 3. November 2025
/picture alliance, Daniel Bockwoldt
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Berlin – Die Bezahlung dringend benötigter Pflegekräfte verbessert sich weiter – und das schlägt auch auf die Kosten der Bewohner in den Heimen durch. Die durchschnittlichen Stundenlöhne in der Pflege sind im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent auf 23,70 Euro gestiegen, wie Daten des GKV-Spitzenverbands ergeben.

Er vertritt auch die Pflegekassen und ermittelt jährlich die Entwicklung der Löhne. „Pflegekräfte können sich insgesamt darauf verlassen, dass sie fair bezahlt werden“, sagte der Chef des GKV-Spitzenverbands Oliver Blatt.

Was für sie gut sei, habe aber auch eine Kehrseite. „Infolge der Lohnanpassungen werden die Eigenanteile der Pflegeheimbewohner erneut deutlich steigen.“ Die Politik müsse endlich Wege aufzeigen, um höhere Belastungen zu begrenzen.

Nach Schätzung des GKV-Verbands dürften sich die Lohnzuwächse die Eigenanteile nun um durchschnittlich 100 Euro pro Monat erhöhen – wovon im Schnitt 40 Euro über Entlastungszuschläge aufgefangen werden, die es je nach Dauer des Heimaufenthalts von den Pflegekassen gibt. Bei der Pflegeversicherung dürfte dies zu Mehrausgaben von rund 260 Millionen Euro im Jahr führen.

Hintergrund der Zahlungen aus eigener Tasche ist, dass die Pflegeversicherung – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten für die Pflege und Betreuung trägt. Personalkosten fließen da maßgeblich ein – und seit 2022 darf es Versorgungsverträge der Pflegekassen nur noch mit Heimen geben, die nach Tarif oder ähnlich zahlen. Für Bewohner kommen Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen der Heime und Ausbildungsumlagen noch dazu.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, wies darauf hin, dass nicht nur die Heimbewohner betroffen seien. „Die Lohnsteigerung trifft ganz besonders hart die von ambulanten Diensten mitversorgten über eine Million Pflegebedürftigen zu Hause.“ Hier sei der Unterstützungsbetrag eingefroren. „Die Folgen sind verheerend. Entweder müssen diese Hilfsbedürftigen die Betreuungsstunden kürzen oder rutschen immer mehr in die Sozialhilfe ab“, sagte er.

Das aktuelle Lohnniveau ermittelt der GKV-Spitzenverband auf der Basis eines gesetzlichen Auftrags jeweils zum Stand Ende Oktober. Demnach bekommen Pflegehilfskräfte ohne Ausbildung nun im Schnitt 20,26 Euro pro Stunde und damit 5,2 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Bei Assistenzkräften mit mindestens einjähriger Ausbildung gibt es demnach ein Plus von 5,7 Prozent auf 22,62 Euro und bei Fachkräften in der Pflege ein Plus von 4,4 Prozent auf 27,06 Euro.

Der aktuelle Zuwachs bei den Durchschnittslöhnen von 4,9 Prozent fällt kleiner aus als im Vorjahr mit neun Prozent. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Größere Zunahmen gab es der Auswertung zufolge in Berlin, Brandenburg und Sachsen, moderate Steigerungen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Für die Berechnung wurden 11.300 Meldungen tarifgebundener Einrichtungen erhoben und ausgewertet. Nicht tarifgebundene Einrichtungen müssen seit 2022 die Höhe ihrer Vergütungen auf das jeweilige regionale Niveau anpassen.

dpa

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