Pflegerat: Langzeitpflege sollte personen- und familienzentrierter werden

Berlin – Die Langzeitpflege sollte personen- und familienzentrierter gestaltet werden. Das schlägt der Deutsche Pflegerat in einem neuen Positionspapier hervor, das gestern vorgelegt wurde.
Um dem steigenden Pflegebedarf, dem gleichzeitigen Mangel an Pflegefachpersonen und finanziellen Engpässen zu begegnen, seien Gegenmaßnahmen dringend notwendig, heißt es vom Pflegerat. Die derzeitigen Lücken im System könnten von den An- und Zugehörigen nicht mehr kompensiert werden und rein institutionelle und standardisierte Lösungen reichten nicht mehr aus.
„Die Lage duldet keinen Aufschub“, betonte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Unser Positionspapier zeigt, wie Langzeitpflege neu gedacht und organisiert werden muss, damit sie auch in Zukunft trägt.“
In neun zentralen Empfehlungen legt der Pflegerat dar, wo Verbesserungen und Umstrukturierungen notwendig sind. Prävention, Beratung und Versorgung sollten demnach zusammengeführt, Pflegefachpersonen konsequent eingebunden und die Langzeitpflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe neu geordnet werden.
Für eine verlässliche Angebotsstruktur wird unter anderem dafür plädiert, eine bundesweit abgestimmte Bedarfs- und Kapazitätsplanung einzuführen, die regional verfügbare Ressourcen und die individuellen Versorgungsbedarfe aller Altersgruppen berücksichtigt.
Indem ihre Vorbehaltsaufgaben verbindlich anerkannt werden, sollten Pflegefachpersonen in ihrer Rolle als zentrale Entscheidungsträger gestärkt werden. Gefordert wird zudem die schrittweise Einführung eines eigenständigen Leistungsrechts für die Pflege, das pflegefachliche Entscheidungen rechtlich absichert und die Handlungskompetenz von Pflegefachpersonen im Versorgungsalltag erweitert.
Beziehungsarbeit sollte als zentrale pflegerische Leistung sichtbarer werden und durch verbindliche Zeitbudgets für Kontakt, Begleitung und Kommunikation finanzierbar gemacht werden. Eine positive öffentliche Kommunikation über Sorgearbeit soll dem Papier zufolge gesellschaftliches Engagement stärken.
Daneben sollten aus Sicht des Pflegerats auch interprofessionelle Versorgungsnetzwerke auf kommunaler Ebene ausgebaut werden, in denen Pflegefachpersonen eine koordinierende Rolle übernehmen und gemeinsam mit anderen Berufsgruppen individuelle Hilfepläne entwickeln und begleiten.
Niedrigschwellige und wohnortnahe Präventionsangebote sollten gezielt ausgebaut und Pflegeberatungen auf Bundesebene standardisiert und in ihrer Qualität gesichert werden. Die Fachkommission empfiehlt des Weiteren, kontinuierliche Bedarfsanalysen für kommunale Infrastrukturen durchzuführen und diese bei Bedarf anzupassen. Um von Routineaufgaben zu entlasten, wird zudem auf digitale Technologien gesetzt.
Eine personen- und familienzentrierte Pflege bringt für den Pflegerat langfristige Vorteile. Mit einer individuellen Ausrichtung an den Bedarfen und Ressourcen der Betroffenen könne die Selbstständigkeit gestärkt und Folgekosten wie unnötige Krankenhausaufenthalte verhindert werden, hieß es.
Durch präventive Ansätze könne zudem das Versorgungssystem entlastet und auch pflegende Angehörige vor Überlastung und gesundheitlichen Folgen geschützt werden.
Für eine wirksame Prävention brauche es allerdings gezielte finanzielle Förderungen, mehr Flexibilität im Einsatz von Mitteln und verlässliche Handlungsspielräume für die Einrichtungen, Kommunen und Fachpersonen in der Langzeitpflege, fordert der Pflegerat. Des Weiteren sei eine gesetzliche Weiterentwicklung des Berufsrechts notwendig.
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