Politik

Pflegeversicherung benachteiligt häusliche gegenüber stationärer Pflege

  • Dienstag, 10. Februar 2026
/Rattana.R, stock.adobe.com
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Bochum – Die Pflegeversicherung benachteiligt laut einer Analyse der Ruhr-Universität Bochum (RUB) pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in häuslicher Pflege gegenüber der stationären Versorgung. Die Untersuchung von Notburga Ott vom Lehrstuhl für Sozialpolitik und Institutionenökonomik der RUB offenbart laut dem Bundesverband pflegender Angehöriger eine „skandalöse Schieflage“.

„Zwar sind die Eigenanteile in Pflegeheimen für viele Menschen untragbar, doch sind diese wenigstens transparent geregelt, werden politisch diskutiert und sollen nun begrenzt werden“, sagte Nicole Knudsen, Vorständin des Vereins. Die tatsächlichen, oft existenzbedrohenden Lasten der häuslichen Pflege dagegen blieben unbeachtet und ungewürdigt, kritisierte sie. 

86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden laut dem Verein zu Hause versorgt, größtenteils von insgesamt etwa sieben Millionen pflegenden An- und Zugehörigen. 

Werden die unbezahlten Pflegeleistungen von Angehörigen monetär bewertet, liegen die Eigenanteile in der häuslichen Pflege laut der Studie bei über der Hälfte der Betroffenen bei mehr als 2.000 Euro pro Monat. In extremen Fällen steigen sie auf über 7.000 Euro. 

„Die Eigenanteile variieren teilweise stark zwischen den Pflegegraden und zwischen häuslicher und stationärer Versorgung. Dieses Gerechtigkeitsproblem wurde jedoch weder bei Einführung noch bei allen Weiterentwicklungen der Sozialen Pflgeversicherung hinterfragt, weil mit einem unbestimmten Verweis auf das Subsidiaritätsprinzip die bei den Betroffenen und ihren Familien verbleibenden Lasten schlichtweg nicht betrachtet werden“, heißt es in der Studie.

„Das Motto ‚ambulant vor stationär‘ bleibt eine leere Phrase. Das System bestraft Familien, die Verantwortung übernehmen“, kritisiert Knudsen. Der Verein fordert die Bundesregierung auf, Ungleichheiten zwischen stationärer und häuslicher Pflege abzubauen und die häusliche Pflege langfristig zu stärken.

hil

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