Pharmaverbände erwarten mehr Arzneimittelstudien in Deutschland

Berlin – Neue gesetzliche Regelungen verbessern die Rahmenbedingungen für Arzneimittelstudien und machen Deutschland als Standort für Industrie-veranlasste klinische Studien attraktiver. Das zeigt eine Branchenbefragung im Auftrag des Bundesverbandes Medizinischer Auftragsinstitute (BVMA), des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Die Umfrage erfolgte im Rahmen des „Studienstandort-Barometers“.
„Es ist für Politik wie Industrie gleichermaßen erfreulich, an der Barometer-Befragung ablesen zu können, dass das Medizinforschungsgesetz den Studienstandort wirklich gestärkt hat“, sagte Matthias Meergans, Geschäftsführer Forschungspolitik des vfa. Als Beispiel für Verbesserungen nannte er die verpflichtenden Standardvertragsklauseln und Neuregelungen für den Strahlenschutz.
Die Unternehmensberatung Vintura befragte im Januar 2026 Mitgliedsunternehmen von BVMA, BPI und vfa. Sie erhielten Antworten von 29 Auftragsforschungsinstituten und 26 Pharmaunternehmen.
Auf Skalen von -100 bis +100 schätzten die Pharmaunternehmen und Institute die aktuelle Lage im deutschen Studienwesen mit durchschnittlich +27 positiv ein, ebenso die Möglichkeit zur weiteren Steigerung mit +34. Daraus errechnet sich ein positiver Gesamtwert von +31. Im Juli 2025 hatte dieser Wert noch bei nur +9 gelegen.
Zur Ermittlung der vordringlichen Hindernisse für eine Ausweitung der Studienaktivität befragte Vintura Studienzentren unterschiedlicher Art: Universitätsklinika, nicht-universitäre Kliniken und Arztpraxen. 169 von ihnen haben geantwortet.
Danach bestehen laut dem Barometer auch weiterhin gravierende Defizite: „So sehen sich Kliniken und Arztpraxen vor allem durch die Knappheit von Studienpersonal bei der Mitwirkung an Studien gebremst. Nötig sind mehr passende Module in den MINT-bezogenen Studien- und Ausbildungsgängen sowie attraktive Karrierepfade und Vergütungsstrukturen für das Studienpersonal“, sagte Martin Krauss vom BVMA. Außerdem bremse eine unzureichende digitale Infrastruktur den weiteren Ausbau des deutschen Studienwesens, so die Kritik.
„Damit nicht länger fehlende digitale Prozesse die Studienaktivität begrenzen, sollte die in Praxen und Krankenhäusern eingesetzte Software zur Verwaltung der Patientenakten künftig obligatorisch auch Funktionalitäten für klinische Studien enthalten“, forderte daher Jens Peters vom BPI. Die nächste Ausgabe des Studienstandort-Barometers ist für Sommer 2026 geplant.
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