Vermischtes

Pharmunternehmen sorgen sich weiter wegen möglicher US-Zölle

  • Mittwoch, 25. Juni 2025
/avarand, stock.adobe.com
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Berlin – Dir forschenden Pharmaunternehmen sind in Sorge wegen der Folgen möglicher US-Zölle auf Arzneimittel. Die deutsche und europäische Politik sollte sich nicht auf eine Vergeltungslogik einlassen, warnt der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa).

Der Verband rechnet angesichts der erratischen Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump mit dem schlimmsten. „Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Zölle auf Pharmazeutika kommen“, erklärte Sven Prietzel, Geschäftsführer Gesundheitspolitik beim vfa, in Berlin.

Die USA hätten im Vergleich zur Europäischen Union (EU) ein großes Handelsdefizit. Dazu habe der Pharmasektor mit 94,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr wesentlich beigetragen. Nur bei Kraftfahrzeugen, Datenverarbeitungsgeräten und Elektronik sei das Defizit noch größer.

„Sollten die Zölle kommen, wäre das fatal für die Versorgung und den Standort“, erklärte Prietzel. So wären neben Fragen der Preisbildung auch enorme Probleme mit Lieferketten zu erwarten, insbesondere bei innovativen Produkten wie Gen- oder Zelltherapien, deren Bestandteile teils mehrfach zwischen Europa und den USA hin und zurück gesendet würden.

Auch die verästelten Lieferbeziehungen für wesentliche Vorprodukte, die in Forschung und Entwicklung unabdingbar sind, könnten demnach betroffen sein. Schlimmstenfalls drohe ein „Strömungsabriss bei der Innovationsfähigkeit“.

Konkrete Prognosen oder Szenarien, welche Auswirkungen Zölle auf Arzneimittelpreise, Arbeitsplätze in der Industrie oder etwaige Produktionsverlagerungen hätten, könnten derzeit noch nicht angestellt werden. Dazu gebe es noch viel zu wenig Gewissheit über mögliche Zollsätze und betroffene Produktgruppen.

Allerdings würden Preissteigerungen aufgrund von Zöllen – auch die USA importieren einen Großteil ihrer Grundversorgung aus Ländern wie China und Indien – auch in den vereinigten Staaten erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung haben. Von daher stelle sich die Frage, wie lange eine US-Administration dem Druck standhalten könne, dem sie sich damit selbst aussetze.

Die deutsche Politik würden die Zölle mangels Handlungsalternativen vor große Schwierigkeiten stellen. „Einfach mal Kosten anzupassen, ist in Deutschland maximal schwierig. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das passiert“, erklärte Prietzel.

„Wahrscheinlich würde die Bundesregierung erst einmal versuchen, das auszuhalten und auf eine Einigung zu hoffen.“ Mit Blick auf die EU-Kommission plädierte er für ein vorsichtiges Agieren und, wenn möglich, einen Verzicht auf Gegenzölle.

lau

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