Pikrinsäure in Klinikapotheke führt zu Großeinsatz

Rottweil – Ein Fläschchen mit Pikrinsäure hat den Einsatz von Feuerwehr und Kampfmittelexperten in einer Klinikapotheke in Rottweil ausgelöst. Nach Aussagen einer Sprecherin der Helios Klinik Rottweil handelte es sich um eine kleine Menge, sodass keine große Gefahr bestanden habe.
Eine Mitarbeiterin habe den Behälter eher zufällig entdeckt. Pikrinsäure sei früher ein gängiges Prüfmittel gewesen, um die Echtheit von Wirkstoffen nachzuweisen. Sie unterliege nicht der Inventur, sagte die Sprecherin. Es müsse also nicht nachgeschaut werden, ob Pikrinsäure vorhanden sei.
Bei ausgetrockneter Pikrinsäure ist nach Angaben der Landesfeuerwehrschule besondere Vorsicht geboten: Die Substanz sei dann als Sprengstoff zu klassifizieren und reagiere sehr empfindlich auf Reibung, Erwärmung und Schlag, hieß es in einem Hinweisblatt.
„Aus Sicherheitsgründen sollten Behälter mit eingetrockneter Pikrinsäure nicht geöffnet werden, da die Gefahr besteht, dass beim Öffnen des Gefäßes Reibung entsteht, welche die Substanz explodieren lassen kann.“
Aus Sicherheitsgründen werde der Stoff üblicherweise mit Wasser aufbewahrt. Dann sei er nicht explosionsgefährlich, aber leichtentzündlich und giftig. „Pikrinsäure ist giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berühren mit der Haut“, hieß es dazu. Beim Umgang mit Kleinstmengen seien Maßnahmen wie eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe erforderlich.
Auch im Chemieunterricht wurde Pikrinsäure früher genutzt. Die Schulen in Baden-Württemberg wurden laut Landesfeuerwehrschule vor Jahren aufgefordert, Restbestände aus den Chemikalienlagern zu entfernen.
Immer wieder führen Funde von Pikrinsäure zu größeren Einsätzen der Feuerwehr, vor wenigen Tagen in einer Apotheke in Rödersheim-Gronau in Rheinland-Pfalz. Ende Juli wurden die Einsatzkräfte zu einer Apotheke in Paderborn in Nordrhein-Westfalen gerufen, im Juni zu einer im brandenburgischen Briesen.
In Freiburg wurde im April im Keller eines Wohnhauses eine Substanz gefunden, bei der es sich laut Polizei möglicherweise um getrocknete Pikrinsäure gehandelt haben könnte. Spezialkräfte sprengten sie kontrolliert. In Rottweil waren gestern vorsorglich die Klinikapotheke und der umliegende Garten geräumt worden. Kampfmittelspezialisten bewerteten den Fund und machten ihn den Angaben nach unschädlich.
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