Ärzteschaft

Post-COVID-Syndrom ernst nehmen und angemessen versorgen

  • Dienstag, 14. April 2026
/Parradee, stock.adobe.com
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Berlin – Gegen eine Bagatellisierung des Post-COVID-Syndroms (PCS) durch Ärztinnen und Ärzte wenden sich in einem heute veröffentlichten Positionspapier die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM).

Mögliche Folgen könnten Stigmatisierung und eine zusätzliche Belastung der Betroffenen sein. Letztendlich komme es unter Umständen zu einer Fehlversorgung.

„Das Post-COVID-Syndrom ist eine ernstzunehmende und komplexe Erkrankung, die weder bagatellisiert noch einseitig erklärt werden darf“, betont Martin Walter, Leiter der Task-Force Post-COVID der DGPPN in einer Pressemitteilung. Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage dafür, PCS ausschließlich als psychische oder ausschließlich als körperliche Erkrankung zu verstehen. Entscheidend sei eine differenzierte, multiprofessionelle Betrachtung.

„Gerade bei komplexen Erkrankungen wie dem Post-COVID-Syndrom ist ein biopsychosozialer Ansatz unverzichtbar“, erklärt Volker Köllner, Mitglied des Vorstands der DGPM und Mitautor des Positionspapiers. Nur so ließen sich die unterschiedlichen Symptome angemessen einordnen und könnten Wechselwirkungen zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren Berücksichtigung finden.

Beide Fachgesellschaften heben hervor, dass das PCS nicht mit bekannten psychischen Erkrankungen gleichzusetzen ist. Psychische Komorbiditäten könnten aber den Verlauf beeinflussen und sollten konsequent mitbehandelt werden.

Es handele sich beim PCS um ein komplexes und schwerwiegendes Krankheitsbild, das eine differenzierte Diagnostik und eine multiprofessionelle Versorgung erfordere. Ein interdisziplinärer Ansatz bei Diagnose und Therapie und in der Forschung sei notwendig. So könne die Versorgung, Teilhabe und Lebensqualität der Menschen mit PCS verbessert werden.

Dazu gehöre vor allem eine sorgfältige Differenzialdiagnostik, die explizit auch psychiatrische und psychosomatische Aspekte abklärt. Darüber hinaus gelte es, spezialisierte Versorgungsangebote auszubauen und Therapieoptionen weiterzuentwickeln. Eine psychotherapeutische Unterstützung sollte allen Patientinnen und Patienten mit PCS angeboten werden.

Von den politischen Entscheidungsträgern fordern DGPPN und DGPM daher mehr Anstrengung, das öffentliche Verständnis von PCS zu verbessern. „Viele Betroffene erlebten noch immer, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden“, sagt Köllner. Es brauche gezielte Aufklärung und klare gesundheitspolitische Signale.

„Ebenso wie die Versorgung muss auch die Forschung interdisziplinärer werden“, hebt Walter hervor. Es müsse eine koordinierte, ressort- und förderquellenübergreifende Forschungsförderung geben, damit neue Erkenntnisse aus der Forschung schneller den Weg in die Versorgung finden.

Die ausgerufene Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen sei vielversprechend, so Walter weiter. „Es bleibt zu hoffen, dass die konkreten Ausschreibungen den Stellenwert und die komplexen Zusammenhänge im Bereich Psychologie, Psychotherapie und Psychosomatik angemessen berücksichtigen werden.“

aks

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