Vermischtes

Preise für neue Arzneimittel laut Analyse europaweit zu hoch

  • Montag, 20. April 2026
Arzneimittelpreise
/picture alliance, Ulrich Baumgarten

Berlin – Laut einer aktuellen Studie der Association Internationale de la Mutualité (AIM), zu deren Mitgliedern auch der Verband der Ersatzkassen (vdek) gehört, sind die Preise für neue, patentgeschützte Arzneimittel europaweit zu hoch.

Demnach könnten in allen EU-Mitgliedstaaten zusammen jährlich bis zu 27 Milliarden Euro bei neuen Arzneimitteln eingespart werden, wenn die Preise besser an den tatsächlichen Kosten und dem therapeutischen Nutzen ausgerichtet wären.

„Die aktuelle Studie zeigt das Einsparpotenzial im Arzneimittelbereich, wenn wir ein Preisbildungsverfahren hätten, dass sich stärker an den realen Kosten der Pharmaindustrie orientiert. Wir brauchen mehr Transparenz über die Kosten für Forschung und Entwicklung, um unangemessene Gewinnmargen der Pharmaindustrie zu verhindern”, betonte die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner.

Das gelte auch im Hinblick auf das aktuell laufende Gesetzgebungsverfahren des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, so Elsner. Hier müsse die Pharmaindustrie deutlich stärker in die Verantwortung genommen werden.

Für die AIM-Studie wurden die Preise von zehn patentgeschützten Arzneimitteln in Belgien, Estland, Deutschland, den Niederlanden, Slowenien und der Schweiz aus den Behandlungsfeldern Onkologie, seltene und chronische Erkrankungen unter die Lupe genommen. Dabei habe sich gezeigt, dass die von den Gesundheitssystemen gezahlten Preise oft in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen, die dem Hersteller bis zur Markteinführung entstehen.

Grundlage der Berechnungen ist das „Fair-Pricing-Modell“, das die AIM entwickelt hat, um faire Preise zu ermitteln – die nach den Angaben sowohl die Belange der Unternehmen als auch die der gesetzlichen Krankenversicherungen berücksichtigen. Das Modell beinhalte neben Forschungs-, Entwicklungs-, Produktions-, Vertriebs- und Marketingkosten auch einen angemessenen Gewinn (acht Prozent). Hinzu komme ein Innovationsbonus, der an den therapeutischen Mehrwert gekoppelt ist.

Die Anwendung dieses Modells auf die Preisgestaltung der zehn ausgewählten Arzneimittel würde in den teilnehmenden Ländern zu einer durchschnittlichen Reduktion der Nettoausgaben um 73 Prozent führen, so das Fazit. Besonders große Preisunterschiede würden sich im Bereich der Krebsmedikamente zeigen – diese könnten laut Berechnungen der AIM um bis zu 87 Prozent günstiger werden.

„Wir brauchen mehr Fairness bei der Arzneimittelpreisgestaltung, wie im AIM-Modell vorgeschlagen“, so Elsner. „In den Niederlanden und Belgien wird das Modell bereits erfolgreich von den Krankenkassen bei Preisverhandlungen mit der Pharmaindustrie eingesetzt. Der Gesetzgeber muss hier tätig werden, damit die Kosten für Forschung und Entwicklung bei künftigen Preisverhandlungen berücksichtigt werden können.“

aha

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung