Privatversicherer widersprechen Bericht über Mitgliederschwund
Hamburg/Bielefeld – Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) hat einen Medienbericht über einen Mitgliederschwund bei den privaten Kassen zurückgewiesen. „Tatsache ist, dass jedes Jahr weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt“, sagte PKV-Sprecher Stefan Reker den Stuttgarter Nachrichten vom Montag. „Wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen einen anderen Anschein zu erwecken suchen, ist das unseriös."
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, dass sich vergangenes Jahr bei der Techniker Krankenkasse etwa 68.000 ehemalige Privatpatienten versicherten, beinahe zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Barmer GEK verzeichnete demnach mit rund 27.600 Versicherten von der privaten Konkurrenz einen Anstieg um neun Prozent. Auch bei der AOK häuften sich dem Nachrichtenmagazin zufolge die Anfragen Wechselwilliger.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nahm derweil die privaten Kassen wegen der hohen Zahl der Privatpatienten, die in die gesetzliche Versicherung wechseln wollen, in die Pflicht. „Sie schöpfen noch längst nicht alle Möglichkeiten aus, den Versicherten günstigere Tarife anzubieten“, sagte Bahr der Neuen Westfälischen Zeitung vom Montag. Außerdem müsse vermieden werden, Anreize zu schaffen, das Kassensystem zu unterwandern und zur gesetzlichen Kasse zu wechseln.
Die Politik habe bereits Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen, wie zum Beispiel das neue Arzneimittelgesetz, sagte Bahr weiter. Dies senke die Kosten für Medikamente erheblich. „Dadurch ließen sich zwei Milliarden Euro einsparen. Davon profitieren natürlich auch die privaten Kassen“, fügte Bahr hinzu.
Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagte den Dortmunder Ruhr Nachrichten vom Montag, die Beiträge sein bei den privaten Kassen langfristig stärker gestiegen als bei den gesetzlichen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Politik einerseits bei den gesetzlichen Kassen Leistungen gekürzt sowie Selbstbeteiligungen erhöht und andererseits den privaten Kassen einen zehnprozentigen Beitragsaufschlag auferlegt habe.
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