Purdue vor Abwicklung wegen Opioidkrise strafrechtlich verurteilt

Newark – Kurz vor der Abwicklung des insolventen Pharmakonzerns Purdue hat ein US-Strafgericht dessen Mitschuld an der Opioidkrise offiziell festgestellt. Bundesrichterin Madeline Cox Arleo hörte sich gestern in Newark die Aussagen von Dutzenden Opfern der Opioidkrise und deren Angehörigen an.
Danach wies sie Purdue-Chef Steve Miller an, sich bei ihnen zu entschuldigen. Zugleich entschuldigte sie sich im Namen der US-Regierung, die beim Schutz der Öffentlichkeit „versagt“ habe.
Purdue und seiner früheren Eigentümerfamilie Sackler wird vorgeworfen, ihr Schmerzmittel OxyContin aggressiv beworben zu haben, ohne auf die hohe Suchtgefahr bei dem Opioid hinzuweisen. Damit es möglichst oft verschrieben wird, sollen sogar Bestechungsgelder an Ärzte und Praxen gezahlt worden sein.
Der Rechtsstreit darüber stürzte das Unternehmen in den Bankrott. Purdue muss mehr als acht Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro) an Strafen zahlen.
Nach der Auflösung der Firma am 1. Mai werden ihr Vermögen und ihr Know-how von einem neuen unabhängigen Unternehmen namens Knoa Pharma übernommen. Dieses soll sich dann auch um die weitere Entschädigung der OxyContin-Opfer kümmern.
Richterin Cox Arleo forderte die Menschen im Gerichtssaal auf, im Stehen zuzuhören, während sie die Namen von mehr als 200 Opfern der Opioidvermarktung durch Purdue verlas.
„Diese Menschen sind keine Statistiken in einer epidemiologischen Studie“, betonte sie. Ihre „herzzerreißenden“ Leidensgeschichten müssten gehört werden. Die damalige Vermarktungsstrategie von Purdue sei „mit einem kriminellen Unternehmen vergleichbar“ gewesen.
Durch die übermäßige Verschreibung von Opioiden wurden in den USA viele Menschen davon abhängig. Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC starben in den Jahren 1999 bis 2022 fast 727.000 Menschen an den Folgen von Überdosen von verschriebenen oder illegal beschafften Opioiden.
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